05.07.2019 Villach

Dieses Jahr wollen wir uns Süd-Süd-Ost Europa näher anschauen. Aufgrund der Ferien von Marla haben wir maximal sechs Wochen dafür zur Verfügung. Nicht gerade viel für eine geschätzt 7000km lange Rundreise. Erschwerend kommt hinzu, dass uns die erste Etappe über eine der Hauptreiserouten nach Süden führen würde und ich keine Lust hatte, mich in den Stau zu stellen oder mitten in der Nacht zu fahren. Also habe ich das Wohnmobil direkt vor der Schule geparkt, und Marlon und ich warteten schon sehnsüchtig darauf, dass Marla mit ihrem Zeugnis angerannt kam.
Halb zwölf war es soweit und nach kurzer Verabschiedung von den Großeltern, die uns bei der Vorbereitung geholfen haben (vielen Dank dafür), starteten wir 11:45 Uhr in Richtung Süden. Ulli musste noch arbeiten und würde uns mit dem ICE überholen. Der Plan war, dass wir uns 18Uhr in Vaterstetten treffen. Etwas Stau hatte ich in Form von über einer Stunde Puffer eingeplant. Sollte doch klappen, oder?

Die ersten 200 Kilometer liefen wie am Schnürchen. Kein Stau und die wenigen Baustellen passierten wir problemlos. Aber kurz vor Nürnberg ging es los und je näher wir der A9 kamen, desto schlimmer wurde es. Das Navi gab sich redlich Mühe uns Alternativen zu benennen, aber irgendwann mussten wir uns doch anstellen. Und so ging es mehr oder weniger bis München eher zähflüssig. Ulli hatte uns inzwischen bereits überholt und wartete bereits in Vaterstetten. Aber die letzten 20 Kilometer waren besonders zäh und so kamen wir mit einer knappen Stunde Verspätung an.

Nach einem großen Helau ging es weiter. Unser nächstes Ziel war der Burger King in der Nähe vom Chiemsee, um zusammen zu Abendbrot zu essen. Heute musste es einfach mal praktisch sein, da wir noch 250 Kilometer vor uns hatten. Man kann davon halten was man will und gesund ist mit Sicherheit anders, aber es schmeckt und für die Kinder war eine große Freude.
Nach dem Essen und einer kleinen Fitnesseinlage ging es weiter. Das Ziel war, dass wir heute noch möglichst Österreich komplett durchqueren. Zum einen würde am Samstag wahrscheinlich viel los sein, zum anderen wollte ich jeglichen Diskussion hinsichtlich der 3,5t Grenze an Wohnmobilen aus dem Weg gehen.

23:30Uhr war es endlich so weit und wir erreichten den Mix-Parkplatz in Villach und stellten uns neben einem anderen Mobil. Kaum hatte ich mich hingelegt, war ich auch schon eingeschlafen. So endete die längste Tagesetappe, die wir jemals gefahren waren.

Start: 47125 km
Kilometerstand: 47857 km
Tagesetappe: 732 km

06.07.2019 Camping Spik

 
 

Wieder einmal bestätigte sich, nirgendwo schlafen wir so gut wie im Wohnmobil. Allerdings schien die Sonne schon zeitig durch die Dachluke und weckte uns.

Als erstes fuhren wir zu einem nahegelegenen Lidl, um uns was zum Frühstück zu holen. Zwar erschien uns Villach durchaus sehenswert, allerdings beschlossen wir trotzdem direkt zum Wurzenpass zu fahren. Die Hoffnung war, dass wir auf dem Pass einen schönen Parkplatz finden und bei bester Aussicht frühstücken konnten. Erstaunlich war, wie steil ein Pass sein kann. Angegeben war er mit max. 18% Steigung. Klingt nicht viel, ist es aber. Und so pressten wir zeitweise 50Liter Diesel pro Stunde durch die Injektoren, aber unser treuer Ducato brachte uns problemlos auf den Pass. Wir fanden einen schönen Parkplatz und haben gefrühstückt.

Keine halbe Stunde später waren wir bereits in Slowenien und steuerten den Campingplatz Spik an. Zum einen wollten uns heute von den Strapazen ausruhen, zum anderen hatten wir faktisch keinerlei Wasser mitgenommen und mussten unsere Vorräte auffüllen.

Die Ausblicke, die wir in der kurzen Zeit erlebten, waren unglaublich. Vom Campingplatz aus schauen wir auf ein Felsmassiv mit Schneeresten, und das bei fast 30 Grad.

Gegen Mittag brachen wir auf zum nahegelegenen Wasserfall. Wir beschlossen, dort Picknick zu machen. Um ehrlich zu sein, schoben wir das Picknick schon etwas eher ein, am ersten künstlichen Wasserfall. Aber wir gingen weiter. Der Pfad wurde nun etwas abenteuerlicher, so dass ich Marlons Laufrad getragen habe. Und die Ausblicke wurden immer imposanter. Schließlich, nach einigen Brücken, erreichten wir den Wasserfall. Marlon wäre gerne noch weiter nach oben gewandert. Doch wir waren uns unsicher, wie weit wir seine Kräfte ausreizen können. Ulli lockte dann die Kinder mit der Idee, eine schöne Stelle zum "Baden" im Fluss zu finden. Sie wusste allerdings auch schon, wie kalt es sein würde. Aber immerhin ging es mit Badeschuhen durch den Fluss, und die Abkühlung reichte bis zu den Oberschenkeln.

Zurück auf dem Campingplatz gönnten wir uns alle ein Eis. Ich durfte mich im Anschluss unserem Kühlschrank widmen - irgendwie wird ein Kühlschrank seinem Namen nicht gerecht, wenn er fast 20 Grad hat. Und so schraubte ich auseinander, guckte, überlegte, reinigte, und hoffe, dass es damit wieder läuft.

Nun ist es 21:30 Uhr und wir erleben den ersten Regen seit Wochen. Bei immer noch 23 Grad ist uns das willkommen.

Kilometerstand: 47885 km
Tagesetappe: 28 km

07.07.2019 Vintgar Klamm, Ljubljana

 
 

Gestern Abend hat es doch tatsächlich noch angefangen zu regnen, aber heute Morgen schien bereits wieder die Sonne. Hervorragend, da wir uns heute Vormittag die Klamm bei Vintgar anschauen wollten. Allerdings erlebten wir bei Bezahlen des Campingplatzes noch eine unangenehme Überraschung. Bei Camping Spik wurden 50€ für eine Nacht aufgerufen. Auch fanden sich so interessante Posten wie "Registratur" auf der Rechnung. Ein Euro pro Person versteht sich. Zwar war der Campingplatz nicht schlecht, aber 50€ war er definitiv nicht wert. Dafür hatten wir schon Campingplätze mit Pool und Kinderanimation.
Nach kurzer Fahrt (wir mussten uns unterwegs eine Vignette kaufen, 15 € für 7 Tage) erreichten wir den Parkplatz in der Nähe der Klamm. Mit 29€ für uns war der Eintritt nicht gerade günstig und hat sich gegenüber unserem Reiseführer (aktuelle Auflage von 2017) fast verdoppelt. Trotzdem waren wir nicht alleine. Man könnte sogar sagen, wir haben eine der Hauptattraktionen gefunden. Aber davon abgesehen war es gigantisch. Wir wanderten meistens auf Holzstegen durch die Klamm und beobachteten das Wasserspiel und die Forellen. Nach 1,6km hatten wir das Ende erreicht und machten uns nach einer kurzen Verschnaufpause auf den Rückweg.
Zurück am Wohnmobil fing es doch tatsächlich an zu regnen. So fuhren wir in strömenden Regen nach Bled. Da es aber in Strömen regnete und wir keinen Parkplatz fanden, haben wir beschlossen weiter nach Ljubljana zu fahren. Nach einer schönen Geschichte "Die drei ???" erreichten wir in sintflutartigen Regen einen Wohnmobilstellplatz hinter einem Supermarkt mitten in der Stadt. Leider war Sonntag und der Supermarkt geschlossen. So besuchten wir einen Italiener und warteten bei Kaffee und Eis für die Kinder auf besseres Wetter.
Es dauerte nicht lange und das Wetter besserte sich. Nach einer halben Stunde Fußmarsch erreichten wir die Innenstadt und statteten als erstes dem Dom einen Besuch ab. Weiter ging es zur Dreierbrücke und unverhofft fanden wir eine Tourist Information. Langsam wurden die Kinder müde und es wurde Zeit, den Rückweg anzutreten. Aber wir entdeckten noch einen Supermarkt, der auch am Sonntag geöffnet hatte. Und so konnte noch jeder seinen Lieblingsnachtisch aussuchen.

Kilometerstand: 47947 km
Tagesetappe: 62 km

08.07.2019 Ljubljana, Therme Dolenjske Toplice

 

Heute Nacht wurden wir unsanft von unserer Alarmanlage geweckt, die uns vor unliebsamen Besuchern wecken soll. Zum Glück waren wir noch alleine im Wohnmobil und es handelte sich offensichtlich um einen Fehlalarm. Noch habe ich keine Ahnung, woran es gelegen haben könnte, zumal ich alles festverdrahtet hatte, um störanfällige Funkstrecken zu vermeiden. Aber vielleicht hat nach 5 Jahren eine Lötstelle nachgegeben oder ein Kabel ist gebrochen.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus wenige Haltestellen ins Stadtzentrum. Dabei stellte sich heraus, dass wir die Tickets nicht im Bus kaufen konnten, sondern Prepaid Karten benötigten. Aber der Busfahrer hatte ein Einsehen und hat uns so mitgenommen.
Erste Station war der Dom, der aber erst um 11Uhr zu besichtigen war. Also liegen wir durch die Innenstadt zur Standseilbahn und fuhren 70 Höhenmeter und 120m Schienenlänge hinauf zur Burg. Auch ohne Eintrittskarten konnte man sich einen guten Überblick verschaffen. Speziell aus der Epoche, als die Habsburger die Burg in ein Straf- und Erziehungslager umwandelten.
Über einen ziemlich steilen Pfad ging es zurück in die Innenstadt. Vorbei an zahlreichen kleinen Geschäften und Cafés liefen wir zurück zum Dom und holten den Besuch nach. So verging die Zeit und nach einer Stärkung haben wir beschlossen, dass es auch reichte und fuhren mit dem Bus zurück.
Wir wollten heute noch nach Dolenjske Toplice zu einer Therme fahren. Vorher haben wir aber noch bei Lidl unsere Vorräte und für 1,23€ pro Liter Diesel unseren Tank aufgefüllt. Kaum war eine weitere Drei ??? Geschichte vorbei, erreichten wir auch die Therme.
Wir hatten Glück und sie war nicht sonderlich gut besucht. So konnten Marla und ich intensiv die Rutschen testen. Allerdings wollte Marlon dann auch unbedingt rutschen. Nie und nimmer hätte ich daran geglaubt, dass der anwesende Bademeister das erlaubte. Aber Marlon bestand darauf zu fragen und tatsächlich, er durfte zusammen mit einem Erwachsenen rutschen. Marla taufte die Rutsche mit Farbeffekten übrigens Diskorutsche. Auch hier verging die Zeit wie im Fluge und es wurde Zeit aufzubrechen. Gern wären wir auf dem sehr großen und leeren Parkplatz von der Therme für die Nacht stehengeblieben, allerdings klärte uns ein Schild am Eingang auf, dass dieses nicht erlaubt sei. So fuhren wir noch einige Kilometer am Ufer der Krka entlang, um anschließend im Schatten einer Burg auf einem der sehr, sehr wenigen offiziellen Wohnmobilstellplätze zu stehen. Überhaupt gestaltet es sich in Slowenien ausgesprochen schwierig. Es wimmelt vor Verbotsschildern, offizielle Einrichtungen gibt es so gut wie gar nicht und Campinglätze nehmen ganz gerne 50€ pro Nacht. Schauen wir mal, wie es sich in Kroatien verhält.

Kilometerstand: 48080 km
Tagesetappe: 133 km

09.07.2019 Žužemberk, Zagreb

 

Diese Nacht wurde wieder die Dichtigkeit unseres Wohnmobils intensiv getestet. Aber solange es nur nachts regnet, soll es mir recht sein.
Heute Morgen schauten wir uns den Ort Žužemberk an. Zuerst die Wasserfälle und anschließend die alles überragende Burg. Dabei zeigte sich, dass am Wochenende ein Ritterfest anstand und die Vorbereitungen schon in vollem Gange waren. Schade, aber so lange können wir nicht warten. Die Burg selber war sehr beeindruckend. Definitiv keine Ruine, aber auch nicht durchsaniert konnten wir uns vollkommen frei bewegen. Auch waren wir faktisch alleine unterwegs und überall gab es etwas zu entdecken. Dabei hatte sie noch den morbiden Charme, wie es tatsächlich auf einer Burg gewesen sein konnte.
Gegen 11 Uhr waren wir zurück am Wohnmobil. Das war auch wichtig, da meine Frau an einem Webinar teilnehmen musste. Und das mitten im Urlaub! Die Kinder und ich haben die Zeit für Tischfußball, ein Baumhaus, eine erneute Wanderung zu den Wasserfällen und vor allem für ein Eis genutzt. Letzteres erschien mit 1,30€ für eine Kugel nicht gerade günstig, allerdings war es erstaunlich, wie viel Eis man in und auf eine Tüte zaubern kann. Das wären in Deutschland gut und gerne drei Kugeln gewesen. So relativierte sich der Preis und die Kinder haben es zum Glück gut vertragen.
Weiter ging es nach Zagreb. Obwohl Slowenien und Kroatien in der EU sind, wurde an beiden Grenzen kontrolliert. Aber wir hatten Glück und konnten nach einer kurzen Passkontrolle unsere Fahrt fortsetzen und erreichten kurz darauf den Stellplatz nahe Zagreb. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Entspannen, Kanufahren, Auf-dem-Spielplatz-Toben und Reise planen.

Kilometerstand: 48180 km
Tagesetappe: 100 km

10.07.2019 Zagreb

 

Heute morgen nutzten wir den Shuttle Service vom Camping Platz und haben uns zum nahegelegenen Bahnhof fahren lassen. Mit dem Zug ging es dann in 20 Minuten zum Hauptbahnhof in Zagreb.
Da wir bereits einen Stadtplan hatten, konnten wir zielgerichtet zur Altstadt aufbrechen. Unterwegs liefen wir immer wieder an Bühnen und Kunstinstallationen vorbei. Offensichtlich war gerade ein Festival in Gange. Allerdings konnten wir nicht erkunden, was für eines.
Nach der Besichtigung der Kathedrale, Kroatiens höchstes Gotteshaus, schlenderten wir durch die Altstadt und Märkte. Zur Mittagszeit kehrten wir in eine landestypisches Restaurant ein und probierten die lokale Küche. Ich hatte eine Art Fladenbrot mit Cevapcici (kleine Fleischspieße aus sehr würzigem Hack?) und dazu rohe Zwiebelwürfel.
Weiter ging es zur St.-Markus-Kirche de.wikipedia.org/wiki/St.-Markus-Kirche_(Zagreb). Bei der Restaurierung von 1882 hat der leitende Architekt vorgeschlagen, emaillierte Dachziegel zu verwenden und daraus das Wappen von Zagreb (weiße Burg auf rotem Hintergrund) und das historische Wappen des dreieinigen Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu formen.
Wir bummelten weiter durch die Stadt und fanden schließlich den Weg zum Museum für optische Illusionen. Auf unseren verschiedenen Reisen durch Europa haben wir bereits sehr viele Forschungs- und Experimentiermuseen besucht, und obwohl es recht klein war, konnte uns auch dieses in Zagreb überzeugen. Wir hatten sehr viel Spaß beim Ausprobieren, Staunen und Grübeln.
Zurück ging es durch den botanischen Garten zum Bahnhof, wo wir uns noch ein Eis gönnten. Keine Stunde später waren wir schon zurück auf dem Campingplatz und nutzten das schöne Wetter für eine weitere Kanutour.

Kilometerstand: 48180 km
Tagesetappe: 0 km

11.07.2019 Jajce

 
 

Entgegen unserer Philosophie, jeden Tag maximal 100 Kilometer zu fahren, stand heute ein Fahrtag auf unserem Programm. Wir wollten einen möglichst großen Schlag in Richtung Sarajevo machen.
Trotzdem ließen wir es sehr gemütlich angehen, zumal wir eigentlich noch eine Reitstunde nehmen wollten. Allerdings hatte die Reitlehrerin gestern einen Unfall und musste uns absagen. Nach dem obligatorischen Ver- und Entsorgen wollten wir eigentlich los. Eigentlich deshalb, da unser Navi beschlossen hatte heute den Dienst zu verweigern. Nach vielen Versuchen konnte ich es zumindest soweit reaktivieren, dass es uns wieder navigierte. Wenn auch ohne Stellplatz-POIs.
Erste Station war ein nahegelegener Lidl. Egal ob Müsli, Milch, Toast oder Aufbackbrötchen. Wir hatten faktisch nichts mehr zum frühstücken. Nachdem das erledigt war, ging es auf die Autobahn in Richtung Bosnien/Herzegowina. Nach zwei Geschichten "Drei ???" erreichten wir die Mautstation kurz vor der Grenze. Für die knapp 100 Kilometer durften wir 12,20€ zahlen. Dagegen erscheint die Maut in Österreich mit 9,20€ für 10 Tagen als regelrechtes Schnäppchen.
An der Grenze stellten wir uns an einer langen Schlange an und konnten aller paar Minuten wenige Meter weiterfahren. So dauerte der Grenzübergang über eine Stunde. Bei der Einreise nach Bosnien/Herzegowina wollte man neben unseren Pässen auch unbedingt unsere grüne Versicherungskarte sehen. Eine Premiere.
Weiter ging es über eine einsame Autobahnen, bis ein Mautwärter "sieben Mark" haben wollte. Kein Witz, in feinstem Deutsch wollte er von uns "sieben Mark" für die Maut haben. Danach wurde die Straße immer enger und kurvenreicher und wir folgten dem Flusslauf. Im Laufe von Jahrtausenden hat er ein tiefes Tal in den Felsen gefräst und ein Eldorado für Rafting Freunde geschaffen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir endlich unseren Stellplatz bei einer Jugendherberge.

Kilometerstand: 48464 km
Tagesetappe: 284 km

12.07.2019 Jajce, Sarajevo

 

Nach dem Frühstück statteten wir Jajce einen Besuch ab. Als erstes stand die Festung auf dem Plan. Zwar war nicht viel mehr als die dicken Außenmauern übrig, aber die Aussicht war phänomenal. Weiter ging es über die ehemalige Kathedrale zu den Katakomben, indem der spätere Staatschef Tito eine zeitlang gehaust haben soll. Marlon ging mutig voran in die dunklen Höhlen, allerdings hat er sich immer vergewissert, dass wir dicht folgen.
Nach einem kurzen Stadtbummel folgte das Highlight von Jajce, die Wasserfälle. Nur wenige Touristen nahmen die Abstieg und den Eintritt auf sich und so waren wir fast alleine. Mit 28 Metern Höhe waren die Wasserfälle beeindruckend und die Gischt machte uns innerhalb kürzester Zeit richtig nass.
Zurück am Wohnmobil starteten wir eine weitere größere Etappe nach Sarajevo. Immer entlang des Flusses Vrbas fuhren wir in Schlängellinie durch sehr beeindruckende Täler. Allerdings waren wir so selten schneller als 80km/h. Meistens schafften wir gerade einmal 60 km/h. Somit waren die vom Navi angekündigten drei Stunden glaubwürdig. Aber mitten im Gebirge ging dann gar nichts mehr und wir standen fast eine Stunde auf der gleichen Stelle. Es gab wohl einen Unfall, was auch nicht wirklich verwundert, da Überholverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinbar nur für Touristen gelten. Wir konnten dann sogar noch zuschauen, wie ein ausgebrannter LKW geschlachtet wurde und jeder sich noch das eine oder andere Teil ausbaute.
Die Fahrt zu unserem ins Auge gefassten Stellplatz durch Sarajevo war dann richtig abenteuerlich. Die Straßen waren teilweise so eng und steil, dass es mir mit dem Wohnmobil hoffnungslos erschien. An einer Kreuzung bog ich rechts ab und erkannte sofort, dass wird nichts. So versuchte ich vorsichtig wieder rückwärts! auf die Kreuzung zu fahren, um weiter geradeaus zu fahren. Gar nicht so einfach, während von allen Seiten Autos hupend an einem vorbeifahren.
Irgendwann erreichten wir dann doch noch den idyllischen Stellplatz mit einem fantastischen Blick auf Sarajevo. Um uns und den Kindern noch etwas Gutes zu tun sind wir in den nahegelegenen Funpark gelaufen. Dort gab es noch eine Runde Eis und einen Spielplatz. Ulli nutzte außerdem noch die Gelegenheit, bei Stellplatzeigentürmer die Waschmaschine zu nutzen.

Kilometerstand: 48635 km
Tagesetappe: 171 km

13.07.2019 Sarajevo

 

Auf Empfehlung unseres Gastgebers fuhren wir mit dem Taxi direkt in die Altstadt. Nach wenigen Minuten waren wir bereits angekommen, bequemer geht es nicht. Und eine Straßenecke weiter waren wir auch schon mittendrin im Baščaršija, dem Basar und historischen Stadtzentrum der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Vorbei an vielen kleinen Geschäften mit zahlreichem Tant, flanierten wir über den Markt. Ein Highlight war dabei sicherlich der Kupfermarkt. Auch wenn hier nur noch für die Touristen gedengelt wird und ansonsten mit Sicherheit industriell gefertigt wird, sehenswert ist es auf jeden Fall. In der letzten Ecke fand sich dann noch ein echter Trödler. Egal ob Nazi Devotionalien oder eine Polariod aus den 80er. Hier gab es einfach alles.
Weiter ging es zu verschiedenen Kirchen und Moscheen. Irgendwann wurden wir hungrig und kehrten in eines der vielen Restaurants ein. Wir nutzten die Gelegenheit, um traditionelle bosnische Gerichte zu probieren und so zeigten wir mehr oder weniger blind auf drei verschiedene Arten von Jufka. Die eingewickelte Jufka kann in Schneckenform oder in Reihen gebacken werden. Im Grunde genommen ein Blätterteig mit Füllung. Es schmeckte super und nach einigem Zögern griffen auch die Kinder begeistert zu.
Als nächstes stand der Besuch von einem Museum auf dem Programm. Es gab ein komplettes Haus einer wohlhabenden arabischen Familie aus dem 18. Jahrhundert zu bestaunen. Überall gab es etwas zu entdecken. Besonders beeindruckend fand ich, dass im Notfall beim schönsten und größten Raum die Türen und Fenster mit massiven Eisenplatten gesichert werden konnte. So eine Art "Panic Room".
Auf dem Weg zurück begann es zu regnen und wir kehrten in ein Cafe ein. Bei Eis, Baklava und bosnischem Kaffee beobachteten wir die vorbeiziehenden Touristen und warteten auf eine Regenpause. Da das Wetter nichts gutes verhieß, nutzten wir eine Regenpause um zu einem nahegelegenen Einkaufszentrum zu laufen. Hier gab es einen großen Playground und die Kinder konnten sich mal so richtig austoben.
Zurück ging es wieder mit dem Taxi und bei strömenden Regen verbrachten wir die wenige Zeit bis zum Feierabend im Womo. Dabei entstand eine tolle Fahrbahn für Marlons Autos.

Kilometerstand: 48635 km
Tagesetappe: 0 km

14.07.2019 Konjic, Mostar, Blagaj

Wieder hat es fast die gesamte Nacht geregnet und heute morgen hingen die Wolken so tief, dass wir Sarajevo nicht mehr sehen konnten. So packten wir zusammen und fuhren nach Süden. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir Konjic. Ein ehemals sehr verschlafenes Bergdorf mit nur wenigen Einwohnern. Dann aber hat 1953 Josip Broz Tito beschlossen, für sich und bis zu 350 Getreue, einen Bunker in den Berg zu bauen, der auch einem Atomwaffenangriff standhalten könne. Nach 26 Jahren Bauzeit und Baukosten von 4,6 Mrd. Dollar war der Bunker 1979 fertiggestellt und der Ort Konjic zu einem florierenden Städtchen angewachsen. Ironischer Weise starb Tito ein Jahr später.
Auch 40 Jahre später ist der Bunker und seine Einrichtungen immer noch sehr beeindruckend. Gigantische Diesel zur Stromgewinnung und Luftumwälzung, der Kommandoleitstand, die Konferenzräume usw. vieles ist noch erhalten und kann auch heute noch besichtigt werden. Offensichtlich hatten sie auch ein Abonnement von diversen Zeitschriften. Zumindest lagen hunderte Ausgaben der TAZ fein säuberlich übereinander gestapelt und warteten auf Leser. Darüber hinaus haben in den winzigen Wohnquartieren sich verschiedene Künstler verewigt und auf die eine oder andere Art die Sinnlosigkeit des Treibens visualisiert.
Weiter ging es nach Mostar. Eines, wenn nicht das Highlight in Bosnien/Herzegowina. Die Fahrt dahin war landschaftlich wieder unglaublich beeindruckend. Schluchten, Täler, ein türkisfarbener Fluss, echt schön. Die Stadt Mostar wurde im wunderschönen ottomanischen und österreichisch-ungarischen Architekturstil erbaut. Sie entstand im Mittelalter, erlebte aber eine intensivere Entwicklung im 16. und 17. Jahrhundert nach dem Bau der Steinbrücke über die Neretva, die heute Alte Brücke (bos. Stari most) genannt wird. Obwohl wir erst am fortgeschrittenen Nachmittag die Stadt erreichten, wimmelte es immer noch von Touristen und immer wieder kam ein neuer Bus und spuckte weitere 50-60 Touristen aus. Eindeutig zuviel für uns und da wir noch kein Mittag hatten, kehrten wir in eines der Restaurants ein und ließen uns jeweils ein Ćevapčići mit Fladenbrot schmecken.
So gestärkt liefen wir an vielen Verkaufsständen zur alten Brücke. Zwar wurde sie im Krieg beschädigt und stürzte ein, aber auch der Neubau weiß zu begeistern. Von den Schuhen von Millionen Touristen waren die Steine so glatt poliert, dass die Begehung der Brücke kein leichtes Unterfangen war. Aber irgendwann war das geschafft und wir hatten sogar das Glück einen perfekten Platz für den Ausblick zu ergattern. Faktisch direkt neben den Brückenspringern, die nach viel TamTam und Geldeinsammeln doch tatsächlich sprangen.
Zum Glück ließen die Touristenströme langsam nach und wir konnten den Stadtrundgang durch die alten Gassen genießen.
Als letztes für heute stand ein Stellplatz in Blagaj auf dem Programm. Die Anfahrt zu unserem Favoriten mussten wir abbrechen, da der Weg für unser Mobil nicht passierbar erschien. Der zweite Stellplatz war ausverkauft und wir langsam fraglos. Aber der Ort hatte ja noch viel mehr zu bieten. Auf dem Weg zum dritten Versuch sind wir an einem weiteren vorbeigekommen und haben diesen für gut befunden. Jetzt stehen wir sehr idyllisch und ruhig am Fluss mit perfektem Blick auf die Festung. Glück muss man haben.

Kilometerstand: 48803 km
Tagesetappe: 168 km

15.07.2019 Blagaj, Počitelj, Kravica, Međugorje, Stolac

 
 

Unser Gastgeber hatte sich gestern dankenswerterweise bereit erklärt, uns die wenigen Kilometer zur Quelle zu fahren. Nicht dass es mit 3 Kilometer zu weit gewesen wäre, allerdings gab es faktisch keinen Fußweg, dafür aber regen Autoverkehr. So waren wir eine der erster Besucher am heutigen Tage und konnten vieles noch ungestört von Massen genießen. Also besuchten wir als erstes das Tekke an der Quelle. Dabei handelt es sich um ein Zentrum einer Sufi-Bruderschaft (Derwisch-Orden, bzw. tariqa) und bedeutet „Rückzugsort“, „Schutz“ oder „Asyl“. Seltener ist von einem Konvent die Rede, denn man kann eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen. Egal wie, beeindruckend war es.
Anschließend machten wir noch eine Mini-Bootsfahrt in die Höhle der Quelle. Dabei erfuhren wir so spannende Dinge wie, dass die Quelle unterirdisch noch mehrere hundert Meter im Berg abseits liegt und im Schnitt 43m³ Wasser pro Minute speit.
Da wir auch wieder abgeholt wurden (was für ein Luxus!), waren wir sehr schnell wieder am Campingplatz und konnten zur nächsten Etappe aufbrechen. Eine knappe Stunde später waren wir bereits in Počitelj und kraxelten durch eine Mittelalterliche Stadt hinauf zur Festung. Diese wurde 1383 im Auftrag des ersten bosnischen Königs Tvrtko I. angelegt und im Laufe der wechselvollen Geschichte immer wieder erobert, ausgebaut und umgebaut. So finden sich heute Merkmale aus vielen Epochen und Kulturkreisen. Marlon hatte bereits wenige Meter nach dem Ausstieg aus dem Womo Pech: er stürzte. Eine Verkäuferin tröstete ihn gleich erfolgreich mit einer kleinen gerollten Tüte Brombeeren. Sein Knie blutete leicht, und so erhielt er sogar noch unterwegs von einer muslimischen Touristin ein Pflaster. Und solche kleinen freundlichen Episoden gibt es hier viele.
Weiter ging es zu den Wasserfällen von Kravica. Die Wasserfälle, deren Höhe zwischen 26 und 28 Metern variiert, prasseln einen 120 m breiten Hang herab. Das kalte Wasser kühlte die Luft angenehm ab und so waren die heißen Mittagstemperaturen erträglich. Und da wir alle Hunger verspürten, kehrten wie in eines der Lokale ein und genossen noch einmal die deftige Bosnische Küche. Auf dem Rückweg hatten wir Glück und konnten für einen Euro pro Person eine Traktor betriebene Touri-Bahn nehmen. So war der Aufstieg in wenigen Minuten, ganz ohne Anstrengung, geschafft.
Als nächstes stand Međugorje auf dem Programm. Am 24.06.1980 sollen die Gottesmutter sechs einheimischen Kindern erschienen sein und sich seitdem regelmäßig zeigen. Wir wollten eigentlich den Ort der Erscheinung besuchen, allerdings hätte dies einen Aufstieg von ca. einer Stunde bedeutet. Für die Kinder und uns war das eher zuviel. Also besuchten wir die Kirche, die Kinder aßen noch ein Eis und wir fuhren noch eine Stunde, um Montenegro näher zu kommen. So erreichten wir einen netten Campingplatz mit ganz vielen Spielzeugautos, wo Marlon nochmal richtig schön spielen konnte. Außerdem hatten die Kinder ihren Spaß mit dem 3 Monaten alten Platzhund.

Kilometerstand: 48917 km
Tagesetappe: 114 km

16.07.2019 Kotor, Lovćen

 

In der Nacht zog ein Sturm auf und kurz darauf setzte massiver Regen ein. Während wir tief und fest geschlafen haben, war Ulli wach und in größter Anspannung. Aber irgendwann ließ der Wind wieder nach und auch Ulli fand den Schlaf.
Nach einem Müslifrühstück ließen wir es ruhig angehen. Wir spielten im Sand mit verschiedenen Fahrzeugen und ließen die Beine im Gebirgsfluss baumeln. Aber irgendwann wurde es Zeit aufzubrechen, immerhin lag heute ein Grenzübergang und eine aufregende Gebirgsfahrt vor uns. Über zusehends besser werdenden Straßen näherten wir uns der Grenze zu Montenegro an. Die Grenze selber war relativ unspektakulär. Nachdem ich alle Fragen nach Alkohol, Medikamente und Zigaretten verneint hatte, gab es neben Stempel im Pass auch noch ein Prospekt mit der TOP10 der Highlights.
Montenegro hat scheinbar auch massiv in den Straßenbau investiert. Zumindest fuhren wir auf einer sehr neuen Straße und waren schneller als vom Navi prognostiziert. Nach einer unglaublich aufregenden Abfahrt, standen wir die letzten 5 Kilometer vor Kotor im Stau. Nur sehr, sehr langsam bewegte es sich stückweise voran. Wir nutzten die Zeit, um heißes Wasser zu bereiten und jedem eine 5-Minuten-Terrine zuzubereiten. Nach einer Stunde haben wir dann doch noch den Parkplatz erreicht und sind zu einer Stadtbesichtigung der Altstadt von Kotor aufgebrochen. Leider waren wir nicht ganz alleine, da mehrere Kreuzfahrtschiffe in der Bucht lagen und mehrere Tausend Touristen ausspuckten. Aber irgendwie kann man es auch verstehen, da die Altstadt wirklich sehenswert ist und eine interessante Mischung zwischen Piratennest und Mittelalterstadt darstellt. Den Aufstieg zur Burg haben wir uns gespart. Zum einen waren über 2000 Treppenstufen den Kindern nur schwer vermittelbar, zum anderen wollten wir heute noch weiter. Zum Schluss sind wir noch in einen kleinen Park mit Spielplatz direkt am Meer gegangen. Hier konnten die Kinder noch einmal richtig toben, bis wir auf die letzte Etappe für heute gingen.
Unser Ziel für heute war der Nationalpark Lovćen. Dieser liegt auf 1300 Meter Höhe und wir waren gerade auf Meereshöhe. Somit lagen aufregende 35 Kilometer Fahrt über sehr enge Serpentinen und Pässe vor uns. Nicht nur einmal kam uns genau dann einer entgegen, wenn keine Ausweichstelle verfügbar war und jemand musste zurückfahren. Aber mit viel Geduld und Weitsicht war es eigentlich gut zu schaffen. Einmal erblickten wir in der Ferne einen Reisebus und hielten bei der nächsten Ausweichstelle in Ruhe an und stiegen sogar aus. Ein anderer Autofahrer war nicht so clever und bretterte an uns vorbei. Nur um anschließend 10 Minuten rückwärts zu fahren.
Nach jeder Spitzkehre wurde das Panorama beeindruckender und wir blieben immer wieder stehen, um Fotos zu machen. Irgendwann bogen wir von der Hauptstraße ab und eine nagelneue, zweispurige Straße führte uns die restlichen Kilometer zum Nationalpark.

Kilometerstand: 49104 km
Tagesetappe: 187 km

17.07.2019 Mausoleum von Petar Njegoš, Tropfsteinhöhle Lipa, Budva, Sveti Stefan, Petrovac

Die Nacht war ruhig und wir schliefen alle sehr gut. Allerdings war Marlon heute besonders zeitig munter und hatte sich vorgenommen, aus einem Stein ein Ersatzrad zu klopfen. Ideen hat er!
Unser erster Programmpunkt für heute war das Mausoleum von Petar Njegoš. Der Dichterfürst hatte sich in den Kopf gesetzt, auf dem zweithöchsten Berg (1.655 m) mit einer fantastischen Rundumsicht begraben zu werden. Zum Glück waren wir sehr zeitig unterwegs und haben noch einen nahen, Wohnmobil tauglichen Parkplatz ergattert. So mussten wir nur noch 461 luftige Stufen und einen Tunnel überwinden. Luftig deshalb, da hier oben ordentlich Wind wehte und keinerlei Geländer oder Seile angebracht waren. Das Grabmal thront auf dem Berg und ist mit beeindruckenden Skulpturen versehen. Dieses Bauwerk ist ein Werk des kroatischen Meisters Ivan Mestrovic, der das Mausoleum in den 1970er Jahren nach vierjähriger Bauzeit errichtete. Vor der Erbauung der Grabstätte befanden sich die Überreste von Petar Njegoš in einer Kapelle, die allerdings dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fiel.
Über eine atemberaubende Abfahrt gelangten wir nach Cetinje und füllten an einem Supermarkt unsere Vorräte auf. Wenige Kilometer später erreichten wir die Tropfsteinhöhle Lipa und machten auf einem sehr großzügig angelegten Parkplatz fest. Da wir bis zur nächsten Führung noch genug Zeit hatten, haben wir erstmal Mittag gemacht. 13 Uhr ging es los und wir wurden mit einem Traktorzug zur nahegelegenen Höhle gefahren, die aus einem 2,5 Kilometer großen System aus Hallen und Wegen besteht. Bereits am Eingang spürten wir einen unglaublich kalten Luftzug und wir waren froh, lange Hosen angezogen und Jacken mitgenommen zu haben. Wenig später erfuhren wir, dass in der Höhle nur 8 Grad Wärme vorherrschen. Die Höhle selber hat uns nicht vom Hocker gerissen, vermutlich haben wir dafür einfach schon zu viele und schönere gesehen.
Weiter ging es nach Budva, die Stadt mit den schönsten Stränden in Montenegro. Die Anfahrt über die Serpentinen war wieder sehr malerisch. Aber je näher wir kamen um so mehr erkannten wir, dass sich das offensichtlich bereits rumgesprochen hat. Vor lauter Leuten, Liegen und Handtüchern war faktisch kein Sand mehr zu sehen. So viel die Entscheidung weiterzufahren nicht schwer.
Einige Kilometer weiter erreichten wir Sveti Stefan, auch das Monaco des Ostens genannt. Bereits an der Tourist Information wurden wir darauf hingewiesen, dass es der teuerste Ort in Montenegro ist. Auf einer vorgelagerten Insel wurde anlässlich des Sieges über zwei plündernde, türkische Schiffe eine Kirche zum Dank an den Heiligen Stefan erbaut. Heute gehört sie zu einem Hotelkomplex und kann von Nicht-Gästen nicht mehr besichtigt werden. Wirklich schade, aber auch von weitem sieht sie sehr idyllisch aus.
Irgendwie war die Luft raus und wir beschlossen, auf einem Campingplatz am Wasser zu gehen um den Rest des Tages am Strand zu verleben. Der Campingplatz war schnell gefunden. Allerdings war die erste Frage an der Rezeption, ob wir eine Reservierung hätten. Nachdem wir gewartet hatten, bis das Gelächter ob unser Verneinung verklungen war, durften wir uns doch noch in eine Ecke quetschen. Kaum war der Landstrom hergestellt, stürmten wir zum Strand. Keine 30 Sekunden später hatte ich den Plan, einen zweiten Tag hier zu bleiben, verworfen. Unglaublich viele Leute auf feinstem Kieselstrand und kaltes Wasser. Also so ziemlich genau das, was ich nicht gebrauchen kann. Dennoch, die Kinder hatten mit Ulli ihren Spaß im Wasser, es waren schöne Wellen. Wir hoffen auf idyllischere Plätze in Albanien.

Kilometerstand: 49192 km
Tagesetappe: 88 km

18.07.2019 Virpazar, Skadarsko jezero, Kloster Ostrog

Heute Vormittag haben wir es ruhig angehen lassen und waren noch einmal am Strand. Der Wind war nicht mehr so stark und somit waren auch weniger Wellen. Trotzdem haben die Kinder das Schwimmen und Plantschen im Meer noch einmal genossen. Vorerst zum letzten Mal, da wir jetzt erstmal wieder ins Gebirge fahren.
Unser erster Stop war in Virpazar, einem winzigen Ort mitten im Naturschutzgebiet von Skadarsko jezero. Nach einigem Hin und Her haben wir auch einen guten Parkplatz abbekommen und sind mit einem Boot in das Naturschutzgebiet gefahren. Leider waren heute die Pelikane scheu und haben sich nicht gezeigt. Aber dafür haben wir jede Menge andere Vögel gesehen und ein Bad im Schwarzen See, dem größten Binnengewässer auf dem Balkan genossen.
Weiter ging es zur Hauptstadt Podgorica. Allerdings haben wir hier nur die Gelegenheit genutzt und unsere Vorräte aufgefüllt. Dabei war es wieder erstaunlich, wie hoch teilweise das Preisniveau ist. Beispielsweise kosten 250g Butter um die 3€!
Auf einer erstaunlich gut ausgebauten Straße schraubten wir uns wieder bis auf 600m Höhe, bis wir in der Ferne bereits das Kloster Ostrog erblickten. Allerdings war es für einen Besuch bereits zu spät und so machten wir auf dem Besucherparkplatz fest.

Kilometerstand: 49284 km
Tagesetappe: 92 km

19.07.2019 Kloster Ostrog, Nationalpark Durmitor

 

Im Schatten vom Kloster haben wir hervorragend geschlafen. Auch wenn mitten in der Nacht immer mal wieder ein Auto hochfuhr. Während unseres Müslifrühstücks kam ein Taxi vorbeigefahren und Ulli sprang raus. Nach kurzer Verhandlung war er bereit, uns für 5€ bis zum Kloster zu fahren. Wie sich gezeigt hat, eine weise Entscheidung.
Zum Glück waren wir so zeitig dran und das Groß der Touristen noch nicht hier. Das gesamte Kloster war unglaublich beeindruckend. Bis auf die Privaträume der Mönche kann man das komplette Kloster besichtigen. Und das taten wir dann auch. Inklusive Kreuz und Heiligenbilder küssen, Segen abholen und Kerzen für Verstorbene und Angehörigen anzünden. Der Ausblick vom Kloster war phänomenal.
Zurück zum Wohnmobil ging es über viele, viele Treppenstufen durch den Wald. Obwohl es die ganze Zeit bergab ging, wurde es mit der Zeit ganz schön anstrengend und die Knie schmerzten. Besonderes Pech hatte Marlon, der bereits am Anfang auf einem glatten Stein wegrutschte und sich das Knie aufgeschürft hat.
Nach kurzer Überlegung haben wir uns entschieden, anstelle einer kurzen aber sehr engen Serpentinen-Abfahrt, den langen Weg über die neue Straße zu nehmen. Hintergrund war, dass immer mehr Busse und Autos sich über die Serpentinen hochquälten und die Straße sehr, sehr eng war.
Über erstaunlich gute Straßen fuhren wir immer weiter ins Gebirge hinein, bis in den Nationalpark Durmitor. Wir wählten den Campinglatz in der Nähe des Schwarzen Sees und kaum war der Landstrom gelegt, liefen wir auch los. Wenige Minuten später erreichten wir den See und beschlossen, diesen zu umrunden. Bei besten Sonnenschein und guten Wegen kamen wir vorerst gut voran. Allerdings wurden die Wege bald sehr steinig, glatt und anstrengend. Als dann nach 2/3 des Weges auch noch leichter Regen einsetzte, sank die Stimmung der Kinder zusehends. Zum Glück war ein Restaurant nicht mehr weit und bei einem Eis bzw. Crêpe mit Nutella konnten wir den Regenschauer gut aussitzen.

Kilometerstand: 49413 km
Tagesetappe: 129 km

20.07.2019 Nationalpark Durmitor

 

Die Nacht war ziemlich kalt. Draußen waren es nur 10 Grad, drinnen 13 Grad. Aber da die Sonne schien, heizte es sich sehr schnell auf. Und da wir heute Toast zubereiteten, war es sehr schnell warm im Wohnmobil.
Wir hatten gestern eine Rafting Tour für uns alle gebucht und sollten heute gegen 10Uhr abgeholt werden. Erstaunlicherweise war der Fahrer bereits eine halbe Stunden vorher da und wir noch nicht ganz fertig. Zumal wir nicht die geringste Ahnung hatten, wie die Tour ablaufen sollte oder was wir alles mitnehmen sollten.
In einem Minibus fuhren wir eine gute halbe Stunde bis zur Ablegestelle. Hier bekamen wir auch Neopren-Anzüge, Schuhe, Helme und Schwimmwesten. Zwar nicht unbedingt in unseren Größen, aber irgendwie haben wir es dann doch geschafft und wir hatten die Klamotten an. Es war sehr erstaunlich, wie das alles organisiert wurde. Wir standen mit vielen anderen Touristen und anderen Rafting Gesellschaften am Wegesrand und hofften, dass sich irgendjemand um uns kümmerte. Aber genau das geschah. Ein Skipper gab uns gezielte Anweisungen, wer wo sitzen sollte und so lief es wie am Schnürchen. Die Tour war für uns als Familie genau richtig: nicht zu wild und nicht zu ruhig. Wir machten unterwegs 3 Stopps: an einem Zufluss und zweimal zum Baden. Unsere Mitstreiter konnten die Wassertemperatur messen: 11,8 Grad. Ohne Neopren wäre Baden nicht möglich gewesen, und dennoch war es ab dem Bauchnabel auch wirklich kalt. Nach 15 km war Schluss, wir konnten uns in den mobilen Zeltumkleiden wieder umziehen und wurden zu einem Mittagessen gebracht. Das war sehr lecker und abwechslungsreich.
Danach wurden wir zurückgefahren. Dabei ist uns noch einmal deutlich geworden, wie naturbelassen die gesamte Gegend ist. Überall gibt es Wildblumenwiesen mit unglaublich vielen Schmetterlingen. Und jede zweite Tanne hier wäre der ganze Stolz eines jeden Weihnachstmarktes in Deutschland. Zwischendurch haben wir noch an der Tara-Brücke gehalten und konnten uns den Fluss, auf dem wir gerade gefahren sind, nochmal von oben anschauen. Leider war die Brücke recht schmal und ein Fußweg nicht vorgesehen. Beim Überqueren der Brücke ist Marlon wieder unglücklich gestürzt und hat sich das Knie blutig gestoßen. Marla hat sich rührend um ihn gekümmert. Auf der weiteren Rückfahrt ist Marlon dann eingeschlafen und musste seinen Nachmittagsschlaf relativ schnell unterbrechen.
Besonders gefreut hat mich, dass wir gerade rechtzeitig zur "Liveübertragung" der Mondlandung vor 50 Jahren zurück waren und wir die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond inkl. der berühmten Worte: "That’s one small step for a man, one giant leap for mankind!" verfolgen konnten. Am späteren Nachmittag sind wir nochmal zum Schwarzen See und haben noch ein Eis geschleckert. Morgen geht's dann weiter, und wenn wir uns noch trauen, werden wir mal eine Zip-Line ausprobieren.

Kilometerstand: 49413 km
Tagesetappe: 0 km

Kommentare (6)

  1. Anja vor 2 Wochen
    Liebe Familie Koch,
    sehr schön geschrieben! Man(n)+Frau ist praktisch dabei...werde euren Berichten weiterhin folgen!
    Weiterhin gute Reise
    1. ulli vor 2 Wochen
      Liebe Anja,
      schön dass Du unserem Blog folgst. Viele Grüße!!!
  2. Oma+Opa vor 2 Wochen
    Hallo ihr 4 Weltenbummler,
    wir freuen uns wieder sehr, "mitfahren" zu können.
    Übrigens sind wir vor vielen Jahren den Wurzenpass in der anderen Richtung gefahren.
    Wir sind zurück aus Russland, Opa musste heute zum Arzt, Rückenblockade mit eingeklemmten Nerv. Nach Spritzen wird es langsam wieder.
    Euch weiter viel Spass und tolle Erlabnisse.
    Liebe Grüße
    Oma und Opa
    1. ulli vor 2 Wochen
      Liebe Großeltern,
      das ist ja kein guter Start zuhause. Gute Besserung und liebe Grüße
  3. Oma Heidi+Opa Jürgen vor 1 Woche
    Wir freuen uns jeden Tag über euren Bericht. Insbesondere die Bilder sind sehr schön. Sie geben einen kleinen Einblick auf euren jeweiligen Aufenthalt. Heute vor 1 Woche ging die Reise los. Wir wünschen euch noch eine schöne Reise und für beide Kinder noch schönre Erlebnisse und Abenteuer.
    Liebe Grüße
    Oma Heidi+Opa Jürgen
  4. Oma+Opa vor 2 Tagen
    Ich habe mit Begeisterung eure Tagesberichte gelesen. Es scheint mir, dass eure Erlebnisse mitunter abenteuerlicher sind als bisher.
    Auf alle Fälle ist mein Interesse geweckt! Mal sehen.
    Alles Gute und liebe Grüße von Oma und Opa.

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