17.10.2020 Leipzig

Die Herbstferien hatten begonnen und wir wollten noch einmal mit dem Wohnmobil losfahren.

Unser erstes Ziel war Leipzig, wir wollten unsere Freunde besuchen. Die Autobahn war leer und selbst die zahlreichen Baustellen und der gelegentlich einsetzende Regen konnten unsere Laune nicht trüben. Bei unserer Ankunft wurden wir bereits freudig erwartet, ein Stellplatz war freigeparkt und gekehrt! Letzteres war dem Nussbaum geschuldet, der seine Früchte großzügig auf der Parkfläche verteilte. Und Stefan war so nett gewesen und hat sogar ein Stromkabel für uns verlegt. Besser geht es nicht.

Da wir uns etwas verspätete hatten, wartete bereits eine reichlich gedeckte Kaffeetafel auf uns. Beim Kaffee trinken und dem aufwärmen alter Geschichten verging die Zeit wie im Flug. Da wir uns heute alle noch nicht sehr viel bewegt hatten, liefen wir noch durchs Viertel und statteten den Eseln auch noch einen Besuch ab.

Zum Abendbrot gab es selbstgemachten Flammkuchen. Sehr, sehr lecker. Und nachdem die Kinder im Bett waren, quatschten wir bei der einen oder anderen Mischung weiter, bis es Zeit wurde ins Bett zu gehen.

Kilometerstand (Start): 57624 km

Kilometerstand: 57772 km

Tagesetappe: 148 km

18.10.2020 Leipzig, Torgau

Es hat sich wieder bewahrheitet. Nirgendwo schlafen wir so gut, wie im Wohnmobil. Und so hatten wir größte Schwierigkeiten, den angepeilten Termin 9 Uhr auch nur halbwegs einzuhalten und uns an den reichlich gedeckten Frühstückstisch zu setzen. Gern hätten wir auch noch den Sonntag zusammen verbracht, allerdings hatten unsere Freunde bereits einen wichtigen Familientermin.

Eigentlich wollten wir im Agrapark beim Nachstellen der Völkerschlacht beiwohnen, allerdings zeigte sich, dass wir dafür zwei Wochen zu spät waren. Dafür hätten wir den Hosenscheißer Flohmarkt (www.hosenscheisser-flohmarkt.de) besuchen können. Allerdings war die Aussicht auf enge Gänge mit sehr, sehr vielen Besuchern bei den aktuellen Corona Wachstumszahlen nicht sehr verlockend. Und so fuhren wir wenige Kilometer zurück zum Markleeberger See und statteten der Uferpromenade einen Besuch ab.

Weiter ging es bei der einer ??? Geschichte nach Torgau. Die Stadt hat einen sehr schönen Stellplatz inkl. Strom und Wasser in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt geschaffen. Besser geht es nicht. Wenige Gehminuten später standen wir auch schon vorm Schloß und konnten beim überqueren der Zugangsbrücke im Schloßgraben einen echten Bären beim spielen beobachten. Angekommen im Innenhof kam mit die gigantische, offene Treppe seltsam bekannt vor. Die Dame am Ticketschalter klärte uns auf. Die DEFA drehte hier 1971 Dornröschen. de.wikipedia.org/wiki/Dornr%C3%B6schen_(1971)

Das Museum war sehr gut gemacht und zeigte eindrucksvoll die Geschichte der Aufspaltung des sächsischen Herrschergeschlecht der Wettiner 1485 in die albertinischen Linie und der ernestinischen Linie. Wobei das Schloss Hartenfels zur neuen Hauptresidenz der Ernestiner ausgebaut wurde. Da das Museum auch den einen oder anderen kindgerechten, interaktiven Teil bot, wurde auch den Kindern nicht langweilig. Inzwischen war es spät geworden und wir beschlossen morgen noch einmal zurückzukehren.  

Kilometerstand: 57868 km

Tagesetappe: 96 km

19.10.2020 Torgau

Torgau hatte uns so gut gefallen, dass wir beschlossen noch einen Tag zu bleiben. Nach dem Frühstück liegen wir wieder über dem Marktplatz in Richtung Schloss. Am Marktplatz fanden wir zufällig das älteste Spielwarengeschäft in Deutschland. Sehr zur Freude unserer Kinder mussten wir ihm natürlich einen Besuch abstatten. Allerdings konnten wir uns nicht auf ein gemeinsames Spielzeug einigen und so verließen wir das Geschäft mit leeren Händen. Weiter ging es zum Schloss. Heute wollten wir uns noch zwei weitere Ausstellungen anschauen und den Turm besteigen. 

In der ersten Ausstellung mit dem Thema "Spuren des Unrechts" wurde anhand konkreter Einzelschicksale erzählt, wie wenig es bedarf, um im gefürchteten Gefängnis von Torgau zu landen. Egal ob man unter den Nazis sich nicht an Gräueltaten an der Zivilbevölkerung beteiligte, unter den Sowjetischen Besatzern als feindliches Element eingestuft wurde oder in der DDR zu Rockmusik tanzte.

Anschließend hatte ich erstmal genug von Geschichte(n) und wir bestiegen zusammen den Turm und genossen die Aussicht über Torgau. Da das Wetter zusehens besser wurde und sich die Sonne zeigte, war die Aussicht nochmal so schön.

Wir spazierten anschließend an der Elbe entlang und fanden auf dem Rückweg, unterhalb des Schlosses einen sehr schönen "Planeten" Spielplatz. Und auch wenn die Entfernungen, die Farben und die Reihenfolgen der Planeten eher der Fantasie des Künstlers entsprungen, schön war er trotzdem. Zurück am Marktplatz kehrten wir in ein Cafe ein und ließen uns Cafe, Kuchen bzw. Eis schmecken. An der nahen Kirche fanden wir einen ungewöhnlichen Kastanienbaum, die Früchte hatten keine Stachel und die Kastanien waren ungewöhnlich groß. Marlon konnte gar nicht genug aufsammeln und so durfte ich mir viel einfallen lassen, um doch noch die eine oder andere Kastanien vom Baum zu holen.

Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil kamen wir noch am "Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau" vorbei. Leider hat er Montags geschlossen, aber die Stelen mit Bildern und Mauern waren sehr bedrückend. So beschlossen wir, der Gedenkstätte am nächsten Tag noch einen Besuch abzustatten.

Kilometerstand: 57868 km

Tagesetappe: 0 km

20.10.2020 Torgau, Lübben

Heute Vormittag wollte ich noch in den gestern geschlossenen Jugendwerkhof gehen. Als Kind hatte ich scheußliche Gerüchte darüber gehört und in meiner Vorstellung mutierte er damit zum schlimmsten Ort auf Erde. Für die Kinder war das nichts und so schickten wir sie zum Kastanien sammeln und wollten uns später wieder auf dem Marktplatz treffen.

Der Großteil des GJWH war inzwischen zu Eigentumswohnungen umgewandelt und auch in den Außenbereichen standen nur noch einige Stelen, die auf die Zustände hier hinwiesen. Aber der klägliche Rest reichte vollkommen. In 4-5 Räumen gab es unglaubliche Geschichten zu hören, Akten zu lesen und man lernte ein perfides System zur Umerziehung kennen. Irgendwo stand schlimmer wie im Gefängnis und genau das trifft es. Weder hatte ein Richter den Aufenthalt angeordnet, noch gab es irgendwelche Rechte. Bei der Ankunft wurde die Kinder desinfiziert, Haare komplett abgeschoren und für mindestens drei Tage in einer Begrüßungszelle in Einzelhaft gesteckt. Erst danach bekam man in einem Begrüßungsgespräch den Grund und die vermutliche Aufenthaltsdauer genannt, meist sechs Monate. Den Betreibern war das Unrecht vermutlich klar, so hat sich der langjährige Direktor der Einrichtung durch einen Herzinfarkt am Tag des Mauerfalls der Verantwortung entzogen und es begann sofort eine hektische Betriebsamkeit, um die Gefangenen zu entlassen, Akten zu vernichten und die Einrichtung in ein harmloses Internat umzubauen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter nach Lübben. Wir waren zwar dieses Jahr bereits da, aber nur für eine Übernachtung. Heute wollten wir uns den Ort anschauen. Über einen sehr gepflegten Weg liefen wir durch einen Park und kamen zur Bootsanlegestelle. Von hier hätten wir eine obligatorische Kahnfahrt durch den Spreewald unternehmen können, allerdings waren wir dafür zu spät dran. Weiter ging es in die Innenstadt und am Marktplatz kehrten wir bei einem schönen Kaffee ein. Auf dem Rückweg entdeckten die Mädels ein Bekleidungsgeschäft und begannen mit großer Freude mit dem Shopping. Die Jungs hatten Pech, das daneben gelegenen Spielzeuggeschäft hatte schon geschlossen.

Auf dem Rückweg durch den Park kamen wir an einer kleinen Kanal-Seilfähre vorbei. Die ersten paar Fahrten waren kein Problem, aber dann wurden die Kinder immer übermütiger. Und dann passierte, was passieren musste. Es entwickelte sich eine bedrohliche Krängung, Marlon schaukelte noch etwas und schließlich rutschte er ab und lag im Kanal. Immerhin war er so schlau und hat versucht sich krampfhaft am Floss festzuhalten. Ulli versuchte ihn wieder an Bord zu ziehen, allerdings hatten sich inzwischen seine Jacke und Hosen mit Wasser vollgesogen und sein Gewicht beträchtlich erhöht. Im zweiten Anlauf hat es geklappt, betröppelt aber heil saß er wieder auf dem Floss. Und auch seine Schuhe tauchten nach einer Weile wieder auf der Wasseroberfläche auf und konnten gerettet werden.

Damit er nicht krank wird, sind beide Kinder mit den Rollern so schnell wie möglich zum Wohnmobil geeilt. Als wir ankamen, hatte Marla ihn ausgezogen ins Bett gesteckt, alle Decken über ihn geworfen und zwei Mützen aufgesetzt! 

Kilometerstand: 57154 km
Tagesetappe: 86 km

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