15.07.2022 Dessau

Eine Telko schloss nahtlos an die nächste an und der Stress wollte kurz vorm Urlaub kein Ende nehmen. Aber irgendwann war es soweit und ich konnte den Laptop zuklappen.

Jetzt galt es noch die Fahrräder aufzuladen, viele Sachen zu verstauen, die Zeugnisse der Kinder zu bestaunen, sich langsam auf Urlaub einzustellen und vieles weitere. Aber irgendwann hatten wir alles geschafft, der Ducato sprang zuverlässig an und wir begannen unsere Reise.

In der ersten Ferienwoche wollten wir uns mit Freunden auf einem Zeltplatz in der Nähe von Neustrelitz treffen. Also fuhren wir nach Norden und kamen auf der A71 erstaunlich gut voran. Allerdings war es spätestens auf der A9 keine Freude mehr und so beschlossen wir abzufahren und uns in Dessau einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Vorher haben wir aber noch getankt (140€ gesamt, 1,83€ pro Liter Diesel) und an einem Aldi unsere Vorräte aufgefüllt.

Der erste Stellplatz lag verkehrsgünstig direkt an einer vierspurigen Straße und sagte uns nicht zu. Der nächste Stellplatz war umgeben von Plattenbauten und sagte uns auch nicht zu. So fuhren wir weiter und landeten auf einem sehr schönen, kleinen Platz direkt am Fluss Mulde.

Kilometerstand (Start): 61886 km
Kilometerstand: 62065 km
Tagesetappe: 179 km

16.07.2022 Kremmen, Camping-und Ferienpark Havelberge

Im Schatten einer verlassenen Villa direkt an der Mulde standen wir hervorragend und haben sehr gut genächtigt. Zum einschlafen hatten wir sogar noch musikalische Unterhaltung im Rahmen des "Summer Open Air Festival".

Marlon hatte sich heute morgen Müsli zum Frühstück gewünscht. Kein Problem. Gesund ist zwar anders, aber aufgrund einer unglaublichen Vielfalt war es sehr lecker.

Und dann fuhren wir auch schon los. Das Navi meldete, dass wir noch 230km und über 3h unterwegs sein werden. Bei einer Folge "???" fuhren wir entspannt auf einer noch leeren Autobahn nach Norden. Gleichwohl nahm der Verkehr kontinuierlich zu. Und kurz darauf meldeten uns zahlreiche Warnblinkanlagen den Beginn eines Staus. Allerdings hatten wir großes Glück und wir erreichten gerade noch unsere Ausfahrt.

Weiter ging es über Landstraßen nach Kremmen. Wir spazierten bei bestem Sonnenschein ins historische Scheunenviertel. Zwar war es noch zu zeitig und zahlreiche Scheunen noch geschlossen, aber was wir gesehen haben hat uns sehr gefallen. Leider hat das Müsli Frühstück nicht lange vorgehalten und so kehrten wir in die alte Lebkuchenfabrik ein. In bestem Ambiente, man kann sogar noch den alten Lebkuchenoffen bestaunen, ließen wir und Soljanka und Flammkuchen schmecken.

Weiter ging unsere Fahrt über idyllische Landstraßen bis wir kurz vor 15Uhr unser Ziel, den Camping-und Ferienpark Havelberge erreichten. Hier wollten wir zusammen mit Freunden die erste Ferienwoche gemeinsam verleben. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team und so dauerte es nicht lange und wir saßen unter der Markise und warteten auf unsere Freunde.

Eine halbe Stunde später schwenkte ein völlig überladener Familienkombi ein und nach einer sehr herzlichen Begrüßung halfen alle beim Aufbau mit.

Dank unseres neuen (gefundenen) Grills dauerte es nicht lang und die Glut war elektrisch entfacht. Dabei entwickelte der kleine Grill eine unglaubliche Hitze und die aufgelegten Würste bekamen innerhalb von Sekunden verbrannte Stellen. Aber irgendwann hatte ich den Bogen raus und konnte auf dem winzigen Grill für uns Acht unser leckeres Abendessen zubereiten.

Der Campingplatz hat sich noch eine Überraschung überlegt und das Electro-Pop Projekt Zig-Zag aus Berlin eingeladen. Handwerklich sind die beiden Herren gut aufgestellt und sie wussten Stimmung zu machen. Und so wurde es noch ein langer, feucht-fröhlicher Abend.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 222 km

17.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Zum Sonntag war das Wetter noch komplett bedeckt und es war noch angenehm kühl. Nach dem Frühstück ging es direkt zur Kinderanimation und die Kinder bastelten Sonnenfänger, sprich feuerfeste Schalen wurden mit Kunststoffperlen gefüllt und anschließen im Backofen verschmolzen. Die Ergebnisse waren durchaus beeindruckend.

Nach einem kleinen Mittagessen konnten die Kinder sich nicht durchringen mit uns einen Fahrradausflug zu machen. So stellten wir die Fahrräder von Marla und Marlon für unsere Freunde ein und fuhren 12 Kilometer zur ehemaligen Landesirrenanstalt während unsere Kinder die Kinderanimation beim Indianerfest unsicher machten.

Angekommen nahmen wir das Angebot, bei Kaffee und Kuchen uns die Geschichte erzählen zu lassen, dankend an. Unglaublich, dass es vor 100 Jahren schon reichte an Burnout zu erkranken, um als Irrer hierher verbracht zu werden. Nach dem Krieg zogen die Russen ein und stationierten hier angeblich sogar Mittelstreckenraketen. Nach der Wende wechselten zwar häufig die Investoren und Pläne, aber nie ist irgendwas daraus geworden. So war das gesamte Gelände dem Verfall gewidmet, wenn nicht eine kleine Gruppe engagierte Ehrenamtlicher das Zepter übernommen hätte.

Anschließend besichtigten wir das sehr weiträumigen Gelände und obwohl faktisch nichts mehr erhalten geblieben ist, überkam uns alle ein beklemmendes Gefühl und der Gruselfaktor im Keller war hoch. Auch die zahlreichen Werke von Künstler taten ihr Übriges, da der eine oder andere einen ausgeprägten Hang zum Morbiden hatte und die Gräueltaten möglichst lebendig darstellen wollte.

Zurück am Campingplatz warteten die Kinder bereits hungrig auf uns und bei Tischtennis und einer Partie Rommè ging der Tag zu ende.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

 

 

18.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Wir schliefen alle ausgesprochen gut und vor allem lang. So frühstückten wir erst gegen 10Uhr und das sehr gemütlich. Heute war es schon wärmer und wir wollten an den See gehen. Aber vorher galt es noch unser SUP aus der Garage zu holen und aufzupumpen.

Wir nutzen es heute zum zweiten Mal und das Wetter war perfekt dafür. Es war nicht kalt, aber Dank des bewölkten Himmels brannte die Sonne nicht zu stark. So übten wir alle und kamen immer besser zurecht. Nicht nur das wir stabiler standen und nicht mehr permanent kippelten, wir erreichten durchaus ansehnliche Geschwindigkeiten und vor allem, es machte sehr viel Spaß. Mir gefiel besonders die Fahrt durch den Kanal. So verging der Tag bei SUP fahren, plantschen und ausruhen in Windeseile. 

Zum Abend kehrten wir in das Restaurant ein und speisten nicht nur vorzüglich, sondern hatten von unseren Plätzen auch eine hervorragende Sicht auf das Abendprogramm. Mit einfachsten Mitteln und wenig "Schauspielern" gelang es der Truppe eine durchaus unterhaltsame Show auf die Beine zu stellen. Und spätestens nach dem zweiten Cocktail sah man über die eine oder andere Unstimmigkeit eh hinweg.

Irgendwann konnten wir die Kinder überreden ins Bett zu gehen und beendeten den Tag wieder bei einer gepflegten Runde Rommè.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

 

 

19.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Das Wetter versprach sich heute von seiner besten Seite zu zeigen und so liefen wir nach dem Frühstück zum Strand. Allerdings hatten viele andere die gleiche Idee und so bekamen wir gerade noch so einen Platz ab. Nicht gerade schön, aber immerhin halbwegs schattig. Den Rest des Tages verbrachten wir mit plantschen, SUP fahren, Burgen und Kanäle bauen und einfach nur entspannen.

Gegen Abend brachten wir die Kinder ins Indianerdorf. Auf einer Nachtwanderung galt es Nahrung zu finden, Feuer zu entfachen (bei höchster Waldbrandstufe), die Nahrung zuzubereiten und zum Schluss wollten sie noch im Tipi übernachten. Man darf gespannt sein.

Unterdessen liefen wir zur großen Bühne und wollten uns bei einer Pizza den Film Ghostbusters anschauen. Erstaunlicherweise war nicht viel los und außer uns waren nur noch zwei Kinder anwesend. Ein Schild brachte dann die Erleuchtung, sämtlich Kinovorführung fallen diese Woche aus. Nun gut, dann ließen wir uns halt die Pizza ohne Film schmecken.

Bei eisgekühlten Cocktails und Rommè ließen wir den Abend ausklingen.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

 

 

20.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Heute wird der heißeste Tag des Jahres erwartet. Bis zu 38°C wurden prognostiziert und damit weit oberhalb meines Wohlfühlbereiches.

Aber vorher galt es die Kinder aus dem Indianerdorf abzuholen und zu hoffen, dass es ihnen gefallen hat und die Stimmung gut war. Und wir hatten Glück, die Kinder waren auf der Nachtwanderung fündig geworden. An den Tannenbäumen wuchsen schmackhafte Bananen und im Moos fanden sich Bratwürste (in der Verpackung). Marla erinnerte sich an die Lektion zum Feuer machen und so dauerte es nicht lange und sie konnten essen. Lediglich der harte Fußboden im Tipi und der mangelnde Platz sorgten für Unmut.

Nachdem Frühstück zogen wir wieder an den Strand, wobei wir heute schlauer waren und die Kinder vorschickten, um uns einen Platz zu reservieren. Marla und ich hievten das SUP ins Wasser und fuhren in den nahen Kanal. Umgeben von viel Wasser, Bäumen und Schatten lies es sich aushalten und so fuhren wir fast drei Stunden den Kanal rauf und runter und unterhielten uns prächtig.

Die Hitze war unerträglich und wir wünschten uns sehnsüchtig eine Wolke herbei. Leider vergeblich und so bin ich tatsächlich im See baden gegangen.

Heute Abend stand noch ein Höhepunkt auf dem Programm. Lars Redlich hat sich angekündigt und wurde uns bereits bei der Anmeldung wärmstens empfohlen. Uns hat der Name zwar nichts gesagt, aber er verstand sein Handwerk. Durch witzige Texte, professionellem Gesang und seine lockere, offene Art nahm er das Publikum mit und unterhielt es zwei Stunden lang aufs köstliche.
Marla hat es so gut gefallen, dass wir zum Schluss noch eine CD kauften und signieren ließen.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

 

 

21.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Heute haben wir es nach dem Frühstück ganz entspannt angehen lassen, da wir erst gegen 12Uhr im Kletterpark erwartet wurden. Während die Kinder über das weiträumige Gelände stromerten, saßen wir Erwachsene zusammen und haben gequatscht.

Nach einer kurzen, aber intensiven Einweisung ging es los. Auf insgesamt 5 Bahnen konnte jeder seine Geschicklichkeit und Höhentauglichkeit beweisen. Dabei gab es durchaus ungewöhnliche Hindernisse zu entdecken. Nur Eva war noch zu klein und musste dieses Jahr noch mir dem Kinderparcour Vorlieb nehmen.

Nach drei Stunden hatte jeder genug Spaß gehabt und während wir die Bahnen 6-8 ("Advanced Level" - Balancieren auf einem Ball, Überkopf hängend mit den Füßen in Schlaufen balancieren, usw.) bestaunten, kamen wir mit dem Eigentümer und Konstrukteur des Kletterparkes ins Gespräch. Er war Artist beim Staatszirkus der DDR und wusste interessante Anekdoten zum erzählen.

Trotz einiger Regentropfen hatten wir beschlossen heute noch einmal zu grillen. Allerdings konnten wir uns nicht so recht für die Grillwaren im Campingplatz eigenen Markt erwärmen, so fuhren Jörg und ich ins Nachbardorf und füllten unsere Vorräte auf.

Mit unserem "gefundenen" Grill dauerte es nicht lange und wir konnten loslegen. Während Claudia sich redlich mühte uns einen gesunden Salat zu zaubern, jonglierte ich auf engsten Platz die Würste und Steaks und die Kinder konnten es gar nicht mehr erwarten, dass es endlich Essen gab. Kein Wunder, so richtig Mittag gab es heute nicht. Aber dafür schmeckte es dann um so besser.

Zum Schluss spielten wir noch Tischtennis und liesen bei Cocktails bzw. Bier den Tag ausklingen.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

22.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge

Wenn man arbeitet verfliegen die Stunden nur so und ich weiß manchmal nicht, wo die Zeit hin ist. Aber im Urlaub verfliegen die Tage nur so und heute war bereits unser letzter. Aber dafür haben die Animateure noch einmal alles gegeben. 

Auf dem Familienfest konnten sich die Kinder schminken lassen, Colaflaschenkisten besteigen, die Hüpfburg erobern und verschiedenes Basteln. Als erstes lies sich Marlon zum Spiderman schminken und kletterte dann alle 12 Colaflaschenkisten hoch. Respekt. Währenddessen hat Marla sich für einen Stifthalter entschieden und ihn mit verschiedenen Mustern mit einem Lötkolben verziert. Marlon verzierte eine Schnecke mit verschiedenen bunten Granulat und ich durfte ihr noch Augen, Mund und Nase verpassen.

Zurück am Wohnmobil wollten wir schon einmal beginnen unsere morgige Abfahrt vorzubereiten. Zum einen war Regen angesagt und zum anderen mussten wir 10Uhr (11Uhr reicht auch, wie wir später erfuhren) den Platz verlassen haben. Da wir unter Nadelbäume hatte sich allerlei Nadeln, Zapfen und Dreck auf der Markise angesammelt und guter Rat teuer. Wie bekommt man den Dreck runter, um die Markise einzukurbeln? Die Lösung fand sich in einer langen Stange und einem daran befestigen Besen.

Zwar war es stark bewölkt, aber nicht unbedingt kalt. So haben wir beschlossen noch einmal in den See zu gehen. Während vier sich vorgenommen hatten über den See zu schwimmen, habe ich mit dem SUP Begleitschutz übernommen. Aufgrund des Windes, der starken Strömung und der Weite der Strecke mussten wir aber nach der Hälfte der Strecke das Vorhaben abbrechen und zum Strand umkehren.

Zurück am Wohnmobil haben wir es gerade noch geschafft zu duschen und das SUP zu verstauen. Dann war es auch schon wieder Zeit zur Bühne zu gehen und gute Plätze zu ergattern. Heute wurde das Musical "Hallejulia" vorgetragen. Aber vorher ließen wir uns noch die Pizzas schmecken, die die Frauen inzwischen organisiert hatten.

Wieder war es erstaunlich, wie professionell und unterhaltsam das Stück vorgetragen wurde. Und so amüsierten wir uns zwei Stunden auf das Köstlichste, eh der letzte Vorhang fiel.

Kilometerstand: 62287 km
Tagesetappe: 0 km

 

 

23.07.2022 Camping-und Ferienpark Havelberge, Ludwigslust

Verschiedene Wetterberichte hatten heute ab 8Uhr Regen vorhergesagt. Zum Glück behielten sie aber nicht Recht und so konnten wir in Ruhe zusammenpacken und das Zelt abbauen. Da wir gestern schon vorgearbeitet hatten, waren wir auch schnell und stressfrei fertig und frühstückten zusammen auf "geborgten" Stühlen.

Ich habe noch nie eine Woche so schnell vorbeigehen sehen und es war Zeit abschied zu nehmen. Während wir noch ver- und entsorgten bastelten die Kinder ein letztes Mal in der Kinderanimation. Nachdem Check-Out fielen wir uns alle noch in die Arme und machten ein letztes gemeinsames Foto.

Während unsere Freunde zurück nach Chemnitz fuhren, führte unser Weg nach Westen. Am Anfang hatten wir noch keinen Plan aber irgendwann kristallisierte sich Ludwigslust als heutiges Ziel heraus.

Nach zwei weiteren Folgen "???" waren wir endlich angekommen. Ludwigslust hatte einen vorbildlichen Stellplatz direkt am Schloss angelegt. Besser geht es nicht. Wenige Minuten Später waren wir auch schon im Schloss und ließen uns bei einer Führung die Geschichte näherbringen. Erstaunlich war, dass das Land Mecklenburg schon immer etwas ärmlich war und der Herrscher bereits vor 400 Jahren auf die Kosten schaute. So verwundert es nicht, dass viele Ornamente, Skulpturen und Barocke Details aus Papiermaché bestanden (Ludwigsluster Carton). Auch so gab es noch viele Details und Geschichten zu entdecken.

Nach so viel Kultur hatten wir uns ein Eis bzw. Kaffee und Kuchen im Schlosscafe verdient und wir wurden auf das Köstlichste verwöhnt. Weiter ging es mit einem Rundgang durch den Schlossgarten zur Kirche und durch die alte Innenstadt. Praktisch alles ist am Reisbrett entworfen und umgesetzt worden und wirkte aus "einem Guss". Die Kirche wusste noch mit einem 350m² großen Wandgemälde auf "Ludwigsluster Carton" zu beeindrucken.

Zurück am Wohnmobil stärkten wir mit verschiedenen Sportgeräten unsere Fitness bzw. verbesserten wir unsers Tischtennisfähigkeiten.

Kilometerstand: 62419km
Tagesetappe: 132 km

24.07.2022 Mardorf - Steinhuder Meer

Wir schliefen sehr ruhig und lange und nach einem ausgedehnten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Heute wollten wir möglichst weit nach SW fahren. Allerdings zog sich die Fahrt über die Landstraßen und es war sehr heiß. So beschlossen wir kurzerhand einen Zwischenstop am Steinhuder Meer einzulegen.

Der Stellplatz war zwar bereits halbvoll, aber wir hatten Glück und bekamen einen der raren Schattenplätze ab. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Nachbarn zeigte sich, dass der "Strand" weiter weg war wie gedacht. Also haben wir die Räder runtergeholt und uns auf den Weg gemacht.

Direkt vom Stellplatz führte ein sehr schöner Radweg immer am Ufer entlang und nach 10 Minuten erreichten wir den Strand "Weiße Düne" und wir fanden sogar noch einen schönen Platz für unsere Decke. Allerdings war das Wasser eher braun und der Geruch erinnerte an faulisches Brackwasser (aber ohne Salz). Wir erfuhren dann, dass die gesamte Gegend ehemals Torfabbaugebiet war und das Wasser ungefährlich ist. Aber der Geruch, die Optik und die vielen Warnschilder vor Blaualgen weckten unsere Zweifel und keiner von uns ging ins Wasser.

Also liefen wir zum nahegelegenen Bistro und holten uns ein Eis. Blöd nur, dass die zahlreichen Wespen nur darauf gewartet hatten. Trotz großer Vorsicht wurde Marla prompt in den Unterarm gestochen und trotz kühlen schwoll es an. Noch schlimmer traf es aber eine Frau, die vor unseren Augen in die Lippe gestochen wurde.

Zurück am Wohnmobil machten wir Abendbrot und warteten auf die Abkühlung.

Kilometerstand: 62645 km
Tagesetappe: 226 km

25.07.2022 Gütersloh

Nach der gestrigen Pleite bezüglich Baden, brauchte ich den Kindern nicht mit Sehenswürdigkeiten oder Stadtbesichtigungen zu kommen. Und so fuhren wir am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica vorbei und steuerten zielstrebig das erst beste Bad auf unserer Route an. Die Wahl fiel auf das Bad "Welle" in Gütersloh. Es gab sogar direkt davor einen Wohnmobil Stellplatz für gerade einmal 6€ pro Nacht inkl. Strom. Auch der Eintritt war mit 30€ für die Familientageskarte ausgesprochen günstig.

Das Bad selber ist zwar 30 Jahre alt, gleichwohl wirkte alles modern und sauber. Es gab viel zu erleben und zu entdecken. Vormittags war es auch noch sehr leer und so mussten wir nicht an den Rutschen anstehen und konnten das Wellenbad ungestört genießen. Irgendwann meldete sich der Hunger und das Bistro wusste sowohl preislich, als auch geschmacklich zu überzeugen. Beim Pendeln zwischen Sauna, Außenbereich, Rutschen und Wellenbad verging der Tag wie im Flug.

Kilometerstand: 62750 km
Tagesetappe: 105 km

26.07.2022 Hamm, Dortmund, Bochum

Trotz der Nähe zur Bundesstraße hatten wir sehr gut und lange geschlafen. Während Ulli Brötchen organisierte, lief ich noch einmal zum Bad um nachzufragen, wo ich Wasser tanken konnte. Leider wusste das die Angestellte auch nicht.
Während des Frühstücks mit unglaublich großen, unförmigen Brötchen entdeckte ich in der Hecke eine zugewachsene Säule und tatsächlich verbarg sich darin der Wasserhahn.

Unser erstes Ziel für heute sollte der Maximilianpark in Hamm sein. Leider zeigte sich die Stadt Hamm von ihrer ungastlichen Seite und blockierte den Parkplatz für Wohnmobile mit einer künstlichen Höhenbeschränkung. Warum? Falls da wirklich mal einer übernachtet hat und ein Bedarf vorhanden ist, dann legt halt einen Wohnmobilstellplatz an und profitiert davon.
Wir stellten uns dann halblegal auf dem Stadionparkplatz und liefen zum Park. Leider setzte in dem Moment starker Regen ein und so beschlossen wir weiterzufahren.

Unser nächstes Ziel war das Museum für internationale Lichtkunst in Unna. Auf der Webseite wurde explizit geworben mit  "Kaufen Sie jetzt Ihre Tickets und besuchen Sie das Museum in Ihrem eigenen Tempo". Leider zeigte sich, dass dies genau einmal! im Monat möglich ist und natürlich nicht heute. Und da die Führungen bereits ausgebucht waren, mussten wir auch hier unverrichteter Dinge weiterfahren.

Weiter ging es nach Dortmund und unterwegs wollten wir unsere Vorräte auffüllen. Leider zeigte sich auf einem winzigen Schild, dass der Supermarkt wegen Umbaumaßnahmen geschlossen hatte. Als heute war irgendwie der Wurm drin.

Angekommen im Dasa, kurz für "Deutsche Arbeitsschutz und Sicherheit Ausstellung", gab es unglaublich viel zu entdecken und das vollkommen ohne Kosten oder irgendwelchen Führungszwang oder nur einmal im Monat, wenn der Mond günstig steht.
Auf der Größe von zwei Fußballfeldern gab es Ausstellungen zu vergangen und zukünftigen Arbeitswelten, Künstliche Intelligenz, Heilen und Pflegen, Sicherheit am Bau, Schuften in Schichten, Transport und vielem mehr. Man war sichtlich bemüht das Museum interaktiv und Kindgerecht zu gestalten und so gab es viel auszuprobieren und zu entdecken. Marlon gefiel besonders ein Außenbereich mit der Möglichkeit selber ein Fachwerkhaus fertig zu bauen. Inkl. Mauern, Dachdecken, Rohre verlegen usw.

Für uns machte das Museum viel zu zeitig bereits um 17Uhr zu und wir haben bei weitem nicht alles entdecken können. Weiter ging es nach Bochum zum "Deutschen Bergbaumuseum". Zwar stand das erst morgen auf dem Programm, aber ich hatte die Hoffnung auf dem Besucherparkplatz übernachten zu können. Das war zwar nicht der Fall, aber wir fanden ganz in der Nähe an einem Park in einer Anwohnerstraße einen Parkplatz für die Nacht.

Kilometerstand: 62750 km
Tagesetappe: 105 km

27.07.2022 Bochum

Wir haben erstaunlich gut direkt neben dem Deutschen-Bergwerks-Museum geschlafen und nach einem kurzen Müslifrühstück waren wir faktisch die ersten Gäste. Zum Glück für uns, da wir so noch an der ersten Untertageführung teilnehmen konnten, alle anderen waren bereits ausgebucht! Wobei es Untertageführung nicht ganz trifft. Zwar ist man ca. 20 Meter unter Tage, aber es war nie ein Bergwerk, sondern eher eine Lehrwerkstatt. Unser Führer hatte einen guten Tag und brachten uns die verschiedenen Werkzeuge, Maschinen und Techniken unterhaltsam näher. Dabei waren auch modernste, riesige Fördermaschinen der 80er, um sehr schnell und effizient Steinkohleabbauen zu können. Weiter ging es mit dem Fahrstuhl auf 60m Höhe auf die Aussichtsplattform. Wir waren beim Rundumblick erstaunt, wie grün und flach das Ruhrgebiet ist. Zurück im Museum durchstreiften wir zahlreiche Ausstellungsräume, sahen uns alte Fotos an und ließen uns in die Geschichte der Bergwerkskunst einführen.

Die Kinder konnten in interaktiven Spielen Rohstoffe einsammeln, um daraus Konsumgüter herzustellen. Wenn alles geklappt hat, konnten diese gegen Erinnerungsmünzen im Geschenkeshop eingetauscht werden. Und in den Ferien wurden verschiedene Freizeitaktivitäten für Kindern angeboten. Somit konnten unsere Kinder heute Bergmannshüte basteln.

Wir hatten beschlossen die Fahrräder runterzuholen und in die Stadt zu fahren. Wobei die Innenstadt von Bochum jetzt nicht wirklich viel zu bieten hatte. Aber Marla fand gleich einen Juwelier und so konnten wir unser Versprechen, dass sie endlich Ohrlöcher gestochen bekommt, einlösen. Wir fanden hübsche Stecker und die Verkäuferin war auch ausgesprochen nett. Und nachdem wir endlich die richtige Position der Löcher bestimmt hatten, waren die Löcher ruck-zuck gestochen und die Ohrstecker montiert.
Wir bummelten weiter durch die Innenstadt, aber so richtig wusste sie uns nicht zu begeistern und so kehrten wir beizeiten zum Wohnmobil zurück, da noch ein weiteres Highlight heute anstand.

Wir hatten Karten für das Musical "Starlight Express" erstanden und wenige Radminuten später waren wir auch schon an der extra dafür errichteten Arena. Nach kurzer Verwirrung hatten wir auch unsere Plätze gefunden und es ging los. Die Show war technisch, musikalisch und von der Story her definitiv Oberliga und wir haben alle Rusty die Daumen gedrückt. Die knapp drei Stunden vergingen wie im Flug und das Musical hat uns allen vier sehr gefallen.  

Kilometerstand: 62874 km
Tagesetappe: 124 km

28.07.2022 Tiger&Turtle Düsburg, Neandertal, Wuppertal, Müngster

Auch unsere zweite Nacht direkt am Deutschen-Bergwerks-Museum haben wir hervorragend geschlafen. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Düsburg. Aber nicht um uns eine weitere Stadt im Ruhrgebiet anzuschauen, sondern das Tiger&Turtle, eine moderne, begehbare Skulptur in Form einer Achterbahn. Nach kurzem aber steilen Fußmarsch haben wir die Skulptur auf dem Rücken einer ehemaligen Mülldeponie gefunden und uns schon die ganze Zeit gefragt, wie man durch den Looping laufen kann. Des Rätsels Lösung fand sich erst von nahem. Zwei Eisentore versperrten den Weg durch den Looping. Aber auch so war es schon eine echte Herausforderung durch die Höhe. Und die Skulptur schwankte auch noch und war relativ offen und filigran gebaut. Dafür beeindruckte die Fernsicht, erst recht bei bestem Wetter.

Weiter ging es zum Neandertal, wo vor 160 Jahren der Neandertaler gefunden wurde und heute eines der modernsten Museen Europas steht. Es erzählt Besuchern aus der ganzen Welt die Geschichte der Menschheit von den Anfängen in den afrikanischen Savannen vor mehr als vier Millionen Jahren bis in die Gegenwart. Mit sehr kurzweiligen Audiobeiträgen und praktischen Exponaten wurde es nicht langweilig. Beispielsweise konnten wir uns an einem Steinzeitlichen Bohrer versuchen.

Ein paar Kilometer weiter füllten wir in Wuppertal unsere Vorräte auf und wollten eigentlich auch hier übernachten. Allerdings konnten wir mit unserem Wohnmobil den geplanten Stellplatz nicht erreichen und parkten spontan an einer Kirche in der Nähe der Schwebebahn. Und so nahmen wir die nächste Bahn und schwebten einige Meter über dem Fluss dem Stadtzentrum entgegen. Die Innenstadt war Ruhrpotttypisch und hat uns nicht besonders angesprochen. Und so sind wir nach einem kurzen Rundgang und einem Eis wieder mit der Schwebebahn zurückgefahren.

Aber wo sollten wir heute nächtigen? Die Stellplätze sind im Ruhrgebiet nicht gerade dicht gesät. Allerdings wurden wir fündig in Müngster und stellten unser Wohnmobil auf einem großen Parkplatz für die Nacht ab.

Kilometerstand: 63002 km
Tagesetappe: 128 km

29.07.2022 Müngster, Schloss Burg, Bonn

Direkt von unserem Schlafplatz konnten wir unser erstes Ziel für heute fußläufig erreichen, die Müngstener Brücke, die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir interessantes zum Tal und der Entstehungsgeschichte der Brücke. Der Bauwerk ist wirklich imposant und immer noch fahren regelmäßig Züge über die Brücke. Egal wie viel Mühe wir uns gegeben haben, auch wir konnten den angeblich verbauten goldenen Niet nicht finden. Weiter ging es mit der Schwebefähre über die Wupper und auf einem netten Spaziergang über einen Aussichtstempel zurück zum Wohnmobil.

Als nächstes fuhren wir zum Schloss Burg und tauschten unterwegs bei Obi unsere Gasflasche. Unterhalb der Burg im Tal fanden wir einen annehmbaren Parkplatz und fuhren mit dem Sessellift zum Schloss. Leider wird es gerade restauriert, aber der Rundgang war trotzdem sensationell. Mit vielen Bildern, kurzen Filmen und zahlreichen Accessoires wurde die spannende Geschichte der Burg, dem Umbau zum Schloss und dem Geschlecht derer von Berg.

Weiter ging es nach Bonn. Leider gibt es in der ehemaligen Landeshauptstadt keinen vernünftigen Stellplatz. Aber nachdem wir beim Städtischen Wasserwerken entsorgt hatten, so offiziell haben wir noch nie entsorgt, wurden wir am Rheinufer fündig und parkten direkt neben einem leeren Parkplatz mit Höhenbeschränkung.

Kilometerstand: 63118 km
Tagesetappe: 116 km

30.07.2022 Bonn, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Andernach

Mit den Fahrrädern waren wir nach wenigen Minuten am Haus der Geschichte. Auf vielen tausend Quadratmeter wurden anhand unzähliger Exponate die Geschichte der Deutschen vom Kriegsende bis heute erzählt. Immer wieder gab es dabei spannende Details oder auch Geschichten zu entdecken und es wurde nie langweilig.

Wir fuhren weiter mit den Rädern in die Innenstadt und links und rechts gab es immer wieder viel zu entdecken. Allerdings wollten wir heute noch nach Bad Neuenahr-Ahrweiler zum ehemaligen Regierungsbunker fahren und so fuhren wir auf einem unglaublich schönen Radweg entlang des Rheins zurück.

Kurz vor halb fünf erreichten wir die Dokumentationsstätte Regierungsbunker und konnten an der letzten Führung teilnehmen. Unser Führer war ein ehemaliger Major, zuständig für die Sicherung der Außenanlagen und wusste viele spannende Anekdoten zu berichten. Er wurde in einen ehemaligen 18 Kilometer langen Eisenbahntunnel gebaut. Allerdings sind davon nur noch 200 Meter für das Museum übrig. der Rest wurde Anfang des Jahrtausends zurück gebaut. Auch wurde schnell klar, dass im Gegensatz zum Ostdeutschen Bunker im Westdeutschen Bunker eher gespart wurde. Er war sehr spartanisch ausgestattet und noch nicht einmal federnd gelagert. Trotzdem war der Bunker sehr beeindruckend und unterhaltsam.

Obwohl wir hier oben sehr gut stehenbleiben konnten, fuhren wir weiter nach Andernach. Wir hatten uns Tickets für die erste Führung am morgigen Tag für den Weltgrößten Kaltwasser Geysir gesichert.

Kilometerstand: 63174 km
Tagesetappe: 56 km

31.07.2022 Andernach, Koblenz, Löf

Für heute hatten wir einen Besuch des höchsten Kaltwassergeysirs der Welt gebucht. Allerdings mussten wir dafür bereits zwischen 9 und 10 Uhr im Museum sein. Für uns mittlerweile eine echte Herausforderung. So musste heute morgen ein schnelles Müslifrühstück reichen.

Das Museum war hervorragend aufgebaut und erklärte sehr bildlich und unterhaltsam, welcher physikalische Effekt hinter dem Geysir liegt. Und da nur sehr wenige Besucher mit uns im Museum waren, mussten wir nie warten und konnten wir alle Experimente sofort und intensiv durchführen.
Kurz nach 11 Uhr legte unser Boot ab und fuhr uns zur nahegelegenen Halbinsel und nach einem kurzen Fußmarsch standen wir vor einem Steinhaufen und warteten auf den Ausbruch des Geysirs. 2-3 Minuten später war es dann auch so weit, mit einem lauten gurgelnden Geräusch sprudelte eine kleine Wassersäule empor, die sich sehr schnell zu einer imposanten Höhe von ca. 55m (laut Auskunft des Fremdenführers) steigerte. Wirklich imposant.

Weiter ging es nach Koblenz. Zwar konnten wir keinen Stellplatz am Deutschen Eck ergattern, aber wir fanden immerhin einen passenden Parkplatz. Leider zeigte sich als nächstes, dass die Personenfähre wegen Personalmangels geschlossen hatte. Wirklich schade. Aber wir nahmen die Räder runter und fuhren über die nächste Brücke in die Stadt. Nach einem kurzen Stopp am kurfürstlichen Schloss erreichten wir das deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt. Nachdem obligatorischen Eis entdeckte Marlon den Wasserspielplatz und bei dem heißen Wetter tat eine Abkühlung wahrlich gut.
Nach einer kurzen Stadtbesichtigung fuhren wir zurück zum Wohnmobil. Zwar war unser Parkplatz durchaus übernachtungstauglich, aber wir wollten noch ver- und entsorgen und dazu ins Moseltal einschwenken.

Der angepeilte Stellplatz war zwar gut zum Entsorgen, aber direkt neben der Bundesstraße und der Eisenbahnlinie wollten wir dann doch nicht schlafen. Aber park4night half uns ein weiteres Mal und wir fanden einen idyllischen Parkplatz neben einem Sportplatz. 

Kilometerstand: 63231 km
Tagesetappe: 57 km

01.08.2022 Löf, Burg Eltz, Cochem

Wir schliefen super, bis kurz vor acht. Dann kamen sehr viele Elterntaxis mit noch mehr Kindern und die Bauarbeiten an einem neuen Spielplatz begannen. Sprich die Kinder holten sich selber Holz und begannen zu sägen, zu hämmern und lautstark Pläne zu schmieden. Ein wirklich cooles Ferienprojekt. Wir haben kurz überlegt unsere mit abzugeben, fuhren dann aber doch zur nächsten Kaufhalle um frische Brötchen zu holen und zu frühstücken.

Kurz darauf erreichten wir die Burg Eltz. Es war noch nichts los und wir wanderten vollkommen alleine zur Burg. Als wir uns schon fragten, ob wir noch richtig waren, bogen wir um eine Kurve und uns bot sich ein atemberaubender Anblick auf die Burg auf einem kleinen Hügel.
Unser Führer wusste sehr amüsant und unterhaltsam die Geschichte der Familie Eltz und der Burg zu vermitteln. Erstaunlich war, dass die Burg seit der Grundsteinlegung im 12.Jh bis heute im Besitz der Familie Eltz befindet, auch wenn es zwischenzeitlich drei unterschiedliche Familien zu Eltz waren. Auch die Waffen, Schmuck und Alltagsgegenstände der Familie wussten zu fesseln.

Weiter ging es nach Cochem.

Kilometerstand: 63280 km
Tagesetappe: 49 km

02.08.2022 Zell

Wir schliefen sehr lange und gut, aber irgendwann mussten wir doch aufstehen. Da wir direkt hinter einem Bäcker standen, konnten wir mit leckeren Brötchen entspannt frühstücken.

Nach dem Ver- und Entsorgen fuhren wir weiter an der Mosel an schönen Örtchen und Weinbergen vorbei, bis wir in Zell anlangten. Unser Ziel war das örtliche Bad, da es inzwischen schon wieder richtig heiß war.

Das Bad war zwar etwas in die Jahre gekommen und der Wartungsstau war nicht übersehbar, aber das Wasser war sauber und es waren nicht viele Gäste da. Wir bekamen sogar zwei Liegen und konnten so ganz entspannt zwischen schwimmen, tauchen, rutschen und entspannen die Mittagshitze aussitzen.

So langsam ging uns die saubere Wäsche aus und wir mussten dringend waschen. Zwei Orte weiter fanden wir dafür die perfekte Möglichkeit, einen Stellplatz mit Waschmaschine! Bei der Hitze und leichtem Wind trocknete unsere Wäsche blitzschnell und zum Abend waren die Schränke wieder gefüllt.

Kilometerstand: 63326 km
Tagesetappe: 46 km

03.08.2022 Bernkastel-Kues, Luxemburg

Heute Morgen fuhren wir ohne Frühstück los. Der Plan war, dass wir uns den idyllischen Touristenort Bernkastel-Kues anschauen, solange es noch kühl war, um dann in der Mittagshitze nach Luxemburg zu fahren. So fuhren wir immer entlang der Mosel an endlosen Weinbergen vorbei, bis wir in Bernkastel-Kues angekommen sind. Nach einigen Verwirrungen fanden wir sogar einen Parkplatz ganz in der Nähe der Touristik Information. Hier wurden wir auf eine familienfreundliche Wanderung aufmerksam, die uns an allen Sehenswürdigkeiten in der Nähe vorbeiführen sollte.

Der Ort bestand aus vielen kleinen Gässchen, Fachwerkhäusern und zahlreichen Brunnen. Und da die Masse an Touristen noch nicht angereist waren, konnten wir es auch noch in Ruhe auf uns wirken lassen. Beim nächsten Bäcker machten wir halt und holten unser Frühstück nach. So gestärkt ging es kontinuierlich den Berg auf. Vorbei an einem Wasserfall hinauf zur Burgruine Landshut, die stolz über der Stadt thront. Die Aussicht auf den Ort und besonders die Moselschleife war atemberaubend.

Leider war es inzwischen Mittag und die Sonne brannte unbarmherzig. Außerdem gab es auf unserem Abstieg kaum noch Schatten und so waren wir froh, als wir die ersten Häuser erreichten und wir wieder Schatten fanden. Am ersten Laden haben wir uns mit Erfrischungsgetränken eingedeckt, da uns schon lange bei der Hitze das Wasser ausgegangen war.

Bei einer weiteren Folge ??? fuhren wir nach Luxemburg und parkten am Stadtrand. Da der gesamte Nahverkehr kostenfrei ist und mit sehr kurzen Taktzeiten operiert, waren wir wenige Minuten später im Zentrum.

Die gesamte Fahrt über haben wir einen Glas-Stahl Palast nach dem anderen gesehen. Dicht an dicht drängt sich die moderne Architektur und selbst in der Innenstadt gibt es erstaunlich viele atemberaubende Gebäude. Abermals gab es an der Tourist Information eine Stadtrally für Kinder. Diese führte uns zu den Highlights der Stadt, auch wenn es bei 35°C kein echtes Vergnügen war. Nachdem unsere Kinder alle Rätsel gelöst hatten ergab sich ein Code und mit diesem konnte der Tresor in der Tourist Information geöffnet werden und jeder konnte sich ein Verschiebepuzzle rausnehmen.
Nach dem obligatorischen Eis fuhren wir mit dem Bus zurück zum Wohnmobil und fanden am deutschen Soldatenfriedhof ein Plätzchen für die Nacht.

Kilometerstand: 63457 km
Tagesetappe:  131 km

04.08.2022 Merzig, Saarlouis

Die Nacht verlief leider nicht sehr gut. Irgendwas habe ich nicht vertragen und mein Körper hatte mir das auch sehr deutlich zu verstehen gegeben und nutzte jede Möglichkeit sich zu erleichtern. Irgendwann wurde es wieder besser und ich versuchte es noch einmal mit etwas Schlaf.

Ich hatte ja das schlimmste befürchtet, aber glücklicherweise blieb von dem nächtlichen Spuk nichts zurück und ich fühlte mich wieder halbwegs wohl. So fuhren wir dann wieder Richtung Deutschland und tanken in Luxemburg noch einmal halbwegs günstig für 1,71€ den Dieseltank voll.

Aufgrund der Wetterprognosen und um uns alle zu schonen haben wir kurzfristig umdisponiert und steuerten zielstrebig das nächste Bad an. Unsere Wahl fiel auf "Das Bad" in Merzig. Es ist zwar relativ klein, aber alles wichtige war vorhanden und wir hatten großen Spaß. Und das wichtigste, wie konnten die extremen Temperaturen problemlos beim plantschen aussitzen.

Nach dem Bad fuhren wir noch nach Saarlouis und die Temperaturen waren erschreckend. Unser Außenthermometer meldete 40°C und im Wohnmobil war es nicht besser. So begrüßten wir jede Wolke und warteten sehnsüchtig auf den angekündigten Regen.

Kilometerstand: 63527 km
Tagesetappe:  70 km

05.08.2022 Völklinger Hütte, Hauenstein

Der Wetterbericht hatte nicht gelogen und gegen 1 Uhr hatte es tatsächlich angefangen zu regnen und es wurde endlich kühler.
Eigentlich wollten wir uns Saarlouis näher anschauen, aber so richtig konnte uns die Stadt nicht begeistern und beim immer mal wieder einsetzenden Regen haben wir uns entschlossen weiterzufahren.
Unser erstes Ziel sollte die Völklinger Hütte sein. Sie ist das weltweit einzige vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung und zugleich das erste Industriedenkmal dieser Epoche, dass in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.
Am Eingang bekamen wir Kopfhörer und Handygeräte. In der sehr geräumigen Gebläsehalle gab es eine Sonderausstellung zum Thema "The World of Music Video". Auf unzähligen großen und kleinen Leinwänden und Fernsehgeräte liefen Musikvideos aus den letzten 40 Jahren. Näherte man sich diesen, dann wurde die passende Musik im Kopfhörer abgespielt. Die Technik funktionierte unglaublich gut und egal ob Queen, U2, die Prinzen, Verve, Nirvana oder viele, viele weitere. Gefühlt waren alle wichtigen Musikvideos vorhanden (außer Michael Jackson!) und luden zum Anschauen und Erinnern ein. Dabei waren auch viele Videos der Neuzeit, die ich aber noch nie gehört, geschweige denn gesehen hatte.

So verging die Zeit rasend schnell und noch lagen ein 7 Kilometer Besichtigungsweg durch das ehemalige Werk vor uns. So wandelten wir durch die Industrieruine und lernten viel über die Kunst Eisen herzustellen. Am meisten hat uns die Gichtbühne auf 27 m Höhe begeistert. Wir mussten Helme aufsetzen und der Aufstieg war durch die offene Bauweise der Treppen abenteuerlich. Oben angekommen konnten wir nicht nur die Aussicht genießen, sondern erfuhren auch, dass hier oben die Hochöfen befüllt wurden. Abwechselnd wurden eine Lage Koks sowie eine Mischung aus Eisenerz, Sinter, Schrott und Zusatzstoffen in den Ofen gekippt.
Überall gab es noch Kunstwerke zu entdecken, beispielsweise auch einen riesigen King Kong. Zum Schluss gab es in der Science Factory noch viel für die Kinder zu entdecken, auszuprobieren oder auch einfach zu spielen.

Es war schon zeitiger Abend, als wir das Werk wieder verließen. Dass wir hier so kurzweilig den kompletten Tag verbringen würden hatte keiner geahnt und so mussten wir an unserem eigentlichen Ziel, Saarbrücken, einen Haken machen und weiter in Richtung Speyer fahren.

Aufgrund zahlreicher Staus und dem aufkeimender Hunger haben wir kurzentschloss den Stellplatz am "Deutschen Schuhmuseum" in Hauenstein angesteuert und uns schon einmal den Welt größten Schuh durch das Schaufenster angeschaut. 

Kilometerstand: 63687 km
Tagesetappe: 160 km

06.08.2022 Speyer, Güglingen

Wir schliefen sehr ruhig und lange am Schuhmuseum. Normalerweise würden wir es uns auch anschauen, allerdings stand für heute das Technikmuseum in Speyer auf unserem Programm. Und so haben wir schweren Herzens beschlossen den Diesel anzuwerfen und den Besuch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Unterwegs frühstückten wir mit frischen Brötchen auf einem Lidl Parkplatz und wenig später kamen wir in Speyer an. Vor einigen Jahren hatten wir bereits das Partnermuseum in Sinsheim besucht und besonders die Besichtigung der Concord und des russischen Pendant, der russischen Tupolev Tu-144, hat uns nachhaltig beeindruckt.

Zwar zahlten wir für zwei Erwachsene und zwei Kinder 86€ Eintritt ins Museum inkl. Besuch des iMax Kinos, aber für das gebotene ist es noch angemessen. Und so schauten wir uns den ganzen Tag verschiedene Flugzeuge, Autos, U-Boote, Schiffe, Torpedos, mechanische Musikkapellen, Modelle von Raumschiffen, Landekapseln und vieles, vieles mehr an.
Die Kinder waren besonders von den begehbaren Flugzeugen angetan, ich fand besonders die Raumfahrtausstellung interessant und davon hat mich besonders das russische Spaceshuttle Buran und die Dokumentation zur Apollo Mission beeindruckt. Im iMax haben wir uns den Film "Wunderwelt Südpazifik" angeschaut und die farbenfrohen Bilder die Panorama Blick und auch die Geschichte waren sehr kurzweilig.
So verging die Zeit wie im Flug und ehe wir uns versahen wurden wir zum Verlassen des Museums aufgefordert.

Morgen wird Marla ihren 13 Geburtstag haben und wir wollten ihn gebührend im Vergnügungspark Tripsdrill feiern. Leider darf man auf dem Besucherparkplatz nicht übernachten. Daher sind wir noch zum nahegelegene Nachbardorf Güglingen gefahren, um die Nacht an einem Freibad zu verbringen.

Kilometerstand: 63773 km 
Tagesetappe: 86 km

07.08.2022 Tripsdril, Stuttgart

Wie so oft feierten wir Marlas Geburtstag unterwegs im Wohnmobil und es ist kaum zu glauben, dass sie bereits ihren 13. Geburtstag hat. Gefühlt feierten wir ihren sechsten Geburtstag doch erst gestern.

Nach wenigen Minuten Fahrt schwenkten wir auf dem Parkplatz vom Vergnügungspark Tripsdrill ein und frühstückten erst einmal in Ruhe. Dabei konnten wir gut beobachten, wie immer mehr Fahrzeuge ankamen und sich der Parkplatz zusehens füllte.
Wir hatten unsere Eintrittskarten vor einigen Tagen online gekauft und konnten so bequem den Park betreten. Dabei erfuhren wir auch, dass Tripsdrill 2021 bereits zum sechsten Mal zum beliebtesten Freizeitpark in Europa gewählt wurde. Das ist umso erstaunlicher, da keiner in unserem Verwandtenkreis jemals was von Tripsdrill gehört, geschweige denn besucht hätte. Ein echter "hidden champion" also.

Die zahlreichen Besucher verlief sich sehr schnell und so mussten wir eigentlich nie lange anstehen. Im laufe des Tages haben wir, mit Ausnahme von zwei besonders gewagten Achterbahnen, alles ausprobiert und etliche sogar mehrmals. Dabei hat uns die "Badewannenfahrt zum Jungbrunnen" besonders gefallen. Bereits das Warten war ein Erlebnis, da regelmäßig die Personen in der Warteschlange vom Wasser der herabstürzenden Badewannen durchnässt wurden. Auch die anschließende Fahrt war ein echtes Erlebnis, da nicht nur die Fahrt von zahlreichen Überraschungen geprägt war, auch war die Landschaft und der Jungbrunnen mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Nachdem wir in der Verwaltung nachgewiesen haben, dass heute wirklich Marlas Geburtstag war, bekam sie einen Wertgutschein geschenkt und wir ließen es uns davon gutgehen.

So verging der Tag wieder wie im Flug und ehe wir uns versahen wurde wir aus dem Park komplimentiert. Während sich an der Ausfahrt ein gigantischer Stau aufbaute, packte Marla in Ruhe ihre Geschenke aus.

Unsere Fahrt führte uns nach Stuttgart. Hintergrund war, dass Ulli uns morgen leider verlassen und mit dem ICE und ihrem Fahrrad nach Erfurt zurückfahren muss. Und da wir nur für 06:50Uhr einen Fahrradplatz reservieren konnten, mussten wir möglichst nah am Stuttgarter Hauptbahnhof nächtigen.
Die Stadt Stuttgart hat das Potential von Wohnmobilisten noch nicht erkannt und es gab natürlich keinen richtigen Stellplatz. Fündig wurden wir dennoch im Norden in einem Gewerbegebiet. Wir standen zwar relativ ruhig, aber vollkommen schräg und die Gegend war eher nicht vertrauenserweckend. Aber Ulli wird morgen bequem in 20 Minuten mit dem Rad den Bahnhof erreichen können. 

Kilometerstand: 63773 km
Tagesetappe: 86 km

Kommentare (5)

  1. Opa Dieter vor 3 Wochen
    Ich hoffe ihr seid gut gewappnet für die bevorstehende Hitzewelle?
    Getränkevorräte aufgefüllt ?!
    1. Holger vor 3 Wochen
      Natürlich nicht, wir haben heute morgen unsere letzte Flasche Wasser aufgemacht. Aber ich habe die Hoffnung, dass wir im Konsum auf dem Zeltplatz noch was bekommen.
  2. Heidi Koch / Jürgen Madaus vor 3 Wochen
    Es ist immer wieder schön zulesen, was ihr alles entdeckt. Das die Kinder lieber bei der Kinderanimation geblieben sind können wir gut verstehen.
    Bei den heutigen Temperaturen, bei uns sind 33 Grad und die Sonne brennt richtig runter, eurer Wohnmobil steht ja direkt am Wasser. Da könnt ihr immer wieder reinspringen.
    Viel Spaß wünschen euch Oma Heidi und Opa Jürgen
  3. gisela butter vor 3 Wochen
    es ist schön, euer tagebuch zu verfolgen und was ihr alles so erlebt. es ist auch schön, das ihr alle so zusammen halt und weiterhin viel spaß und schönen urlaub euch. liebe grüße an alle, eure gisela butter. kommt gesund und erholt wieder und macht weiter so.
  4. Oma Gisela vor 5 Tagen
    Hallo ihr vier, es ist toll was ihr alles erlebt. Weiter so!!
    Viele Grüße Oma Gisela und Opa Dieter

Neuen Kommentar schreiben