04.07.2026 Chemnitz
Endlich war es so weit – heute ging unser langersehnter Urlaub los!
Nach den letzten arbeitsreichen Tagen fühlte sich der Samstagmorgen fast unwirklich an. Die letzte Telko vom Freitag lag hinter uns, die Kinder hatten stolz ihre Zeugnisse mit nach Hause gebracht, und gestern Abend war das Wohnmobil bis auf den letzten Winkel gepackt worden. Heute mussten wir nur noch die letzten Kleinigkeiten verstauen – und dann konnte es endlich losgehen. Vorerst leider ohne Ulli, Sie hat nicht so viel Urlaub am Stück bekommen. Aber voraussichtlich in Vilnius stößt Sie zu uns.
Unser Ziel für die kommenden Wochen: das Baltikum. Estland, Lettland und Litauen standen schon lange auf unserer Wunschliste, und nun machten wir uns tatsächlich auf den Weg.
Gegen 12 Uhr waren wir schließlich startklar. Bei strahlendem Sonnenschein rollten wir los und nahmen Kurs Richtung Osten. Die Stimmung war bestens, alle waren voller Vorfreude und die ersten Kilometer vergingen ganz entspannt – begleitet von einer Folge der ???, die im Wohnmobil für die passende Einstimmung sorgte.
Unser erster Zwischenstopp führte uns nach Chemnitz zu den Großeltern. Ein schöner Auftakt unserer Reise, bevor morgen die erste richtige Etappe in Richtung Baltikum beginnt.
Kilometerstand (Start): 85247 km
Kilometerstand: 85402 km
Tagesetappe: 155 km
05.07.2026 Chemnitz
Nach dem Frühstück fuhren wir ins Industrie Museum. Seit vielen Jahren engagiert sich Opa Dieter ehrenamtlich und er wollte uns unbedingt die Sonderausstellung "Maschinen-Minis: Technik entdecken – MINT erleben!" anlässlich des 100. Geburtstages des Chemnitzer Ehrenbürgers Prof. Dr. Carl Horst Hahn zeigen.
Hier konnten die Kinder an verschiedenen Ständen kreativ sein und erste Erfahrungen als Maschinenbauer sammeln. Ob hydraulisch gesteuertes Labyrinth, Metallbaukästen oder drucken mit Legobausteinen. Für jeden war was dabei. Wir entschieden uns aber für das Konstruieren mit Infento, einem Baukastensystem um echte Fahrzeuge zu bauen. Eine gute Stunde suchten, schraubten unf fluchten wir alle, dann war unser erstes Fahrzeug fertig. Es würde zwar sicher keinen Designpreis gewinnen und in den Kurven war es erschreckend instabil, aber wir hatten es selber zusammengeschraubt. Leider war es mir nicht gelungen, den zugehörigen Motor zu aktivieren, so blieb es bei einer Art Roller ohne eigenem Antrieb. Die Sonderausstellung ist rundherum gelungen und sehr sehenswert. Leider scheint sich das aber noch nicht herumgesprochen zu haben, zumindest waren heute sehr wenige Besucher gekommen.
Am Nachmittag haben wir uns noch mit Freunden bei Emils getroffen und bei Kaffee und Kuchen geplaudert und Pläne geschmiedet.
Kilometerstand: 85402 km
Tagesetappe: 0 km
06.07.2026 Freiberg
Heute wollten wir weiter Richtung Osten fahren. Schneekuppe? Dresden? Oder doch erstmal nach Berlin? Das sehr wechselhafte Wetter mit Regen und niedrigen Temperaturen machte es auch nicht einfacher und so entschieden wir uns für Freiberg. Genauer gesagt den Stellplatz direkt am Johannisbad. An diesem wirklich sehr schöne Ort waren wir schon mehrmals. Vor einigen Jahren hat Marlon hier sogar schwimmen gelernt und direkt sein Seepferdchen gemacht.
Vorher mussten wir aber noch zu Hornbach, um Gasflasche zu tauschen und Antirutschmatten und ein USB-Kabel zu kaufen. Anschließend fuhren wir zu Lidl, wo wir für 264€ unsere Vorräte auffüllten.
Nach kurzen, entspannter Fahrt kamen wir in Freiberg an und gingen ins Bad. Es war nicht wirklich gut besucht und bekamen sogar noch zwei Liegen ab. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir mit schwimmen, planschen, rutschen und diversen Wasserschlachten.
Zurück am Wohnmobil testeten wir unseren Ofen und bereiteten zwei Pizzas zu. Mmh, lecker.
Heute war Kinoabend und wir schauten uns den Film "Der Frosch mit der Maske" von Edgar Wallace an. Schwarz/Weiss und uralt, die Kinder waren begeistert...aber zum Schluss haben beide wohlwollend geäußert "...besser wie gedacht...". Das macht doch Hoffnung für die nächsten 32 Edgar Wallace Filme.
Kilometerstand: 85457 km
Tagesetappe: 55 km
07.07.2026 Dresden
Wir waren fast allein auf dem Stellplatz am Johannisbad und haben herrlich geschlafen. Wieder einmal bestätigte sich unsere Erfahrung: Nirgendwo schlafen wir so gut – und vor allem so lange – wie im Wohnmobil. Vielleicht liegt es an der Ruhe, vielleicht am Gefühl, dass der Urlaub direkt vor der Tür beginnt. Wahrscheinlich von allem ein bisschen.
Zum Frühstück hatten sich die Kinder Müsli gewünscht. Eigentlich nichts Besonderes – außer bei uns. Zu Hause gibt es so gut wie nie Müsli, weshalb es im Urlaub fast schon zu einem kleinen Ritual geworden ist.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg nach Dresden. Die Strecke dorthin entwickelte sich allerdings zu einer kleinen Geduldsprobe. Baustellen, Umleitungen und Tempolimits wechselten sich gefühlt im Minutentakt ab. Irgendwann scherzten wir schon, dass Dresden heute wohl komplett verlegt worden sein musste.
Am Dresdner City Hostel hatten wir dagegen sofort Glück. Zwischen einigen anderen Wohnmobilen fanden wir problemlos einen Parkplatz und konnten dort für gerade einmal zehn Euro ganze 24 Stunden stehen bleiben – ein echtes Schnäppchen für diese Lage.
Von dort waren es nur wenige Minuten bis in die Innenstadt. Da wir Dresden erst vor Kurzem besucht hatten, verzichteten wir diesmal bewusst auf Frauenkirche, Zwinger und Co. Stattdessen stand ein ausgedehnter Einkaufsbummel auf dem Programm – sehr zur Freude von Marla.
Am frühen Nachmittag meldete sich der Hunger und wir kehrten bei einem großen amerikanischen Fast-Food-Restaurant ein. Frisch gestärkt ging die Shoppingtour weiter, allerdings mit eher überschaubarem Erfolg. Weder der Zalando Outlet Store, noch die großen Modeketten oder ein Secondhandladen konnten uns so richtig überzeugen. Am Ende war Marlon der Einzige, der fündig wurde und sich ein orangefarbenes Trikot aussuchte.
Aber eigentlich war das auch gar nicht wichtig. Gemeinsam durch die Stadt zu bummeln, in die Schaufenster zu schauen und einfach Zeit miteinander zu verbringen, machte mindestens genauso viel Spaß. Zum krönenden Abschluss gönnten wir uns noch jeder einen großen Eisbecher.
Zurück am Wohnmobil ließen wir den Tag ganz entspannt ausklingen. Nach einigen ausgedehnten Skatrunden bereiteten wir unser Abendbrot zu und machten es uns anschließend mit dem Edgar-Wallace-Klassiker "Der rote Kreis" gemütlich. Langsam entwickelt sich daraus tatsächlich eine kleine Urlaubstradition.
Kilometerstand: 85502 km
Tagesetappe: 45 km
08.07.2026 Jelenia Góra
Auch diese Nacht haben wir wieder hervorragend geschlafen. Langsam sind wir uns sicher: Im Wohnmobil schlafen wir einfach besser als zu Hause. Nach einem gemütlichen Frühstück mit frisch aufgebackenen Brötchen machten wir uns auf den Weg in Richtung Polen.
Unser erster Stopp war ein Einkaufszentrum in Görlitz. Neben einem kleinen Mittagessen stand auch der Einkauf einiger wichtiger Dinge auf dem Programm. Endlich fanden wir wieder eine Butterdose – unsere war unterwegs irgendwie abhandengekommen. Noch größer war allerdings die Freude der Kinder, die ihr inzwischen schmerzlich vermisstes Tomatenmark wiederbekamen. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die im Urlaub für gute Laune sorgen.
Anschließend ging es weiter nach Jelenia Góra. Ganz in der Nähe der Altstadt entdeckten wir einen großen, inoffiziellen Parkplatz, auf dem bereits einige Fahrzeuge standen. Der Platz machte einen guten Eindruck, sodass wir beschlossen, dort auch die Nacht zu verbringen.
Von dort aus waren es nur wenige Minuten bis ins Zentrum. Bei einem kurzen Stadtbummel besorgten wir zunächst etwas Bargeld. Am Geldautomaten wurden wir gefragt, ob wir den Betrag zum festen Umrechnungskurs in Euro abrechnen möchten – eine bekannte Touristenfalle. Natürlich lehnten wir dankend ab und ließen die Abbuchung ganz normal in Złoty erfolgen.
Anschließend gönnten wir uns alle ein Eis. Besonders witzig fanden wir, dass jede Portion vor dem Bezahlen sorgfältig gewogen wurde. So konnte wirklich niemand behaupten, zu wenig Eis bekommen zu haben.
Auf dem Rückweg kauften wir noch frisches Brot für das Abendessen und schauten uns eine der schönen Kirchen der Stadt an, bevor wir zum Wohnmobil zurückkehrten.
Dort wurde natürlich erst einmal wieder Skat gespielt. Beim Ramsch lief es für Marlon allerdings überhaupt nicht nach Plan. Das Blatt schien sich gegen ihn verschworen zu haben – sehr zu seinem Leidwesen und zur Erheiterung der übrigen Mitspieler.
Nach dem Abendbrot wurde mit einer kleinen Urlaubstradition gebrochen. Statt eines Edgar-Wallace-Klassikers lief heute der erste Teil von Fast & Furious – sehr zur Freude von Marlon. Anschließend ging es ungewöhnlich früh ins Bett, denn am nächsten Morgen wollten wir zeitig zur Schneekoppe aufbrechen.
Kilometerstand: 85696 km
Tagesetappe: 194 km
09.07.2026 Schneekoppe, Karpacz
Am Morgen füllte sich unser Parkplatz erstaunlich schnell. Bevor wir am Ende selbst zugeparkt würden, beschlossen wir kurzerhand aufzubrechen. Das Frühstück mit getoastetem Weißbrot gab es deshalb ganz idyllisch auf einem kleinen Parkplatz direkt an einer Friedhofsmauer – nicht unbedingt der klassische Frühstücksplatz, aber dafür angenehm ruhig.
Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir den Wohnmobilstellplatz in Karpacz. Von dort machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Etwa eine halbe Stunde später standen wir an der Talstation des Lifts. Wie schon vor zehn Jahren wurden wir beim Einstieg fotografiert. Das Erinnerungsfoto konnte man am Ausgang für fünf Euro kaufen. Inzwischen habe ich davon eine ganze Sammlung – sogar eines aus meiner Kindheit.
Oben angekommen begann der eigentliche Aufstieg. Im Vergleich zu unserem letzten Besuch vor zehn Jahren machte uns dieses Mal vor allem der eisige, kräftige Wind zu schaffen. Der Weg zog sich spürbar länger hin als in meiner Erinnerung. Beim späteren Vergleich mit den alten Urlaubsfotos fiel mir etwas Kurioses auf: Vor zehn Jahren hatte ich auf einem markanten Felsen eine Pause eingelegt, um wieder zu Atem zu kommen – und ohne es zu wissen, setzte ich mich heute tatsächlich wieder auf genau denselben Stein.
Nach mehreren Verschnaufpausen war es schließlich geschafft: Wir standen auf der Schneekoppe. Die Aussicht war trotz des Windes wieder beeindruckend. Vor zehn Jahren hatten wir hier oben noch hervorragend zu Mittag gegessen. Diesmal war das Restaurant allerdings verlassen. Zum Glück hatte auf der tschechischen Seite ein kleines Bistro geöffnet, sodass wir uns mit einer heißen Gulaschsuppe und einem Hotdog stärken konnten.
Interessant ist, wie sich meine Höhenangst im Laufe der Jahre verändert hat. Früher war vor allem der Blick in die Tiefe das Problem. Heute macht mir inzwischen sogar die Fahrt mit dem Sessellift bergab ein etwas mulmiges Gefühl.
Zurück an der Talstation war der Tag noch lange nicht zu Ende. Wir beschlossen, noch bis ins Zentrum von Karpacz zu laufen. Zwar ging es fast die gesamte Strecke steil bergab, doch ein großer Eisbecher beziehungsweise ein Stück Kuchen entschädigten für die zusätzliche Anstrengung.
Karpacz selbst hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Ort wirkt inzwischen wie ein einziger großer Touristen-Hotspot mit zahlreichen Souvenirgeschäften, Restaurants und Après-Ski-Bars – selbst mitten im Sommer.
Den Rückweg wollten wir uns dann doch etwas erleichtern. Mit dem Linienbus fuhren wir wieder den Berg hinauf und mussten von der Endhaltestelle nur noch etwa einen Kilometer bis zu unserem Wohnmobil laufen.
Am Abend merkte jeder von uns die vielen Höhenmeter in den Beinen. Eine heiße Dusche wirkte allerdings wahre Wunder. Danach durfte die obligatorische Skatrunde natürlich nicht fehlen. Und auf ausdrücklichen Wunsch eines einzelnen jungen Herren gab es heute Pasta zum Abendessen.
Kilometerstand: 85714 km
Tagesetappe: 18 km